Hood River mit Lena Erdil

Vom Windsurf-Profi zur „Foil Mom“ – ihre Road to Hood River

Lena Erdil gehörte über viele Jahre zur Weltspitze im Windsurfen. Heute hat sie eine neue Herausforderung gefunden: Downwind Foiling. Nach der Geburt ihrer Tochter Ella arbeitete sich Lena Schritt für Schritt zurück aufs Wasser – mit einem klaren Ziel vor Augen: mehrere Wochen in Hood River verbringen und dort ihre Fähigkeiten auf dem Foil auf das nächste Level bringen. Wir haben mit Lena über ihre „Road to Hood River“, Flatwater Paddle-Ups, Parawings, kleinere Foils und den Alltag als „Foiling Mom“ gesprochen.

Stand Up Magazin: Lena, du kommst aus dem professionellen Windsurfen. Was hat dich am Downwind Foilen so gepackt?

Wenn man jahrelang professionell Windsurfen betrieben hat, ist man es gewohnt, auf dem Wasser genau zu wissen, was man tut. Beim Downwind SUP Foilen war das für mich plötzlich wieder ganz anders. Ich war wieder Anfängerin – und genau das hat mich gepackt.

Ganz neu war das Thema für mich allerdings nicht. Vor meiner Schwangerschaft war ich bereits SUP-Downwinder gefahren. Dann kam durch Schwangerschaft und Geburt eine längere Pause. Als ich wieder anfing, stellte sich für mich die Frage: Wie komme ich zurück – und wie fit bin ich eigentlich noch?

Daraus entstand meine persönliche „Road to Hood River“: Schritt für Schritt wieder fit fürs Downwinden werden, um dann mehrere Wochen in der Columbia River Gorge mein Level auf dem Foil weiterzuentwickeln.

Was als persönliche Challenge begann, wurde am Ende auch zu einer Reise in eine Foil-Szene, die uns in Europa wahrscheinlich einige Jahre voraus ist.

Wie sieht die Downwind-Foil-Szene bei euch im Norden Deutschlands aus?

Bei uns ist Downwind Foiling noch eine kleine, aber schnell wachsende Szene. Rund um Kiel und an der Ostsee kommen immer mehr Leute dazu – viele davon, so wie ich, aus anderen Wassersportarten wie Windsurfen, Wingfoilen oder SUP.

Eigentlich haben wir gute Voraussetzungen: viel Wind und unterschiedliche Strecken je nach Windrichtung.

Die Bedingungen sind allerdings anders als in Hood River. Die Ostsee liefert nicht diese steilen River-Bumps, dafür haben wir Groundswell-Tage und Windwelle. Man muss lernen, für die jeweilige Windrichtung die passende Strecke und natürlich auch das passende Material zu wählen.

Auf Social Media sieht es manchmal so aus, als müsste man zuerst den Flatwater Paddle-Up beherrschen. Ist das wirklich Voraussetzung?

Gleiten auf dem Hood River – Der Traum vom Downwind Foilen | 📸 via Lena Erdil

Nein. Das ist ein Punkt, der mir wichtig ist.

Durch Social Media kann leicht der Eindruck entstehen, man müsse zuerst einen Flatwater Paddle-Up beherrschen, bevor man überhaupt SUP Downwind Foilen kann. Das stimmt nicht.

Ich selbst bin schon vor meiner Schwangerschaft Downwinder gepaddelt, ohne je einen Flatwater Paddle-Up gemacht zu haben. Wind und Welle helfen beim Start enorm. Oft ist ein Start mit einem Bump sogar leichter als im komplett flachen Wasser.

Für mich hatte der Paddle-Up deshalb einen anderen Wert: Er war mein persönlicher Fitnesstest.

Meine Challenge war: Wenn ich es schaffe, ein Downwindboard im komplett flachen Wasser nur mit eigener Kraft aufs Foil zu paddeln, weiß ich, dass mein Körper wieder stark genug ist.

Kleine Wintersessions am Steg waren außerdem logistisch viel einfacher als gleich wieder große Downwinder auf der Ostsee zu organisieren.

Im Mai klappte dann mein erster Paddle-Up, kurz danach drei weitere – und ich war schneller als gedacht wieder bei echten Downwindern.

Wer Downwind Foilen lernen möchte, sollte also auf keinen Fall denken: „Das darf ich erst, wenn ich einen Flatwater Paddle-Up kann.“

Du warst jahrelang Windsurf-Profi und hast sogar eine Olympiakampagne im iQFOiL gemacht. Heute bezeichnest du dich selbst als „Foil Mom“. Wie hat sich dein Sportleben verändert?

Sehr! Unsere Tochter Ella wurde Ende 2025 geboren. Mein Partner Kai ist ebenfalls komplett foilverrückt und unser Alltag besteht jetzt häufig daraus, Baby, Kinderwagen, Foils und Wind unter einen Hut zu bekommen. Wir nennen das unseren „Foiling Parents Mode“.

Manchmal fährt einer einen Downwinder und der andere holt ihn mit Ella unten ab. In Hood River haben wir sogar mein Downwindboard auf den Kinderwagen geschnallt und zum Startpunkt geschoben.

Fünf Stunden gemeinsam wie früher gehen eben nicht mehr. Dafür wird jetzt getauscht: Einer geht aufs Wasser, einer bleibt bei Ella.

Mich hat das aber eher mehr als weniger motiviert. Nach der Geburt wieder stärker zu werden und gleichzeitig in einer neuen Disziplin Fortschritte zu machen, hat mir ein neues sportliches Ziel gegeben.

Traum Ferien in Hood River mit der ganzen Familie. Wir vom Stand Up Magazin sind sicher die kleine Ella wird eine grosse Wassersportlerin wie ihr Papa und Mama.


Dann ging es nach Hood River. Was hast du dir von der Reise erwartet?

Vor allem Zeit auf dem Wasser.

Hood River beziehungsweise die Columbia River Gorge gilt als eines der Zentren der internationalen Foil-Szene. Der Columbia River fließt Richtung Westen und im Sommer bläst häufig starker Westwind dagegen. Dadurch entstehen diese berühmten steilen Bumps.

Wir hatten drei Wochen eingeplant und wohnten in White Salmon.

Ich wollte dort vor allem viele Stunden aufs Wasser kommen, ohne den ständigen Organisationsaufwand, den wir zu Hause haben.

Am Ende gab es so viele Windtage hintereinander, dass Kai und ich morgens die Bedingungen gecheckt haben und keiner mehr als Erster aufs Wasser wollte. Nach sechs Tagen Wind am Stück hieß es plötzlich: „Nein, nein, geh du ruhig. Ich passe auf Ella auf.“

Du bist mit der Vorstellung klassischer Downwind-Shuttles nach Hood River gekommen. Vor Ort hast du aber festgestellt, dass viele Leute Parawing fahren.

Ich hatte mir das tatsächlich klassisch vorgestellt: Oben absetzen lassen, mehrere Kilometer downwinden und unten wieder abgeholt werden.

Vor Ort merkte ich schnell, dass das rund um Hatchery gar nicht immer die praktischste Lösung ist. Die bekannten Einstiegspunkte Tunnel 4 und Tunnel 5 sind logistisch unbequem – kaum Parkplätze und teilweise privates Gelände. Außerdem ist die wirklich gute, steile Bump-Section nicht endlos lang.

Da wurde mir klar, warum in Hood River inzwischen so viele Leute Parawing fahren.

Statt für einen relativ kurzen Run ein Auto-Shuttle zu organisieren, kann man am Hatchery mit dem Parawing wieder upwind fahren, den Wing verstauen und die Bump-Section erneut downwind foilen. Danach geht es wieder von vorne los.

So bekommt man sehr viele Kilometer und Wiederholungen, ohne ständig Autos hin- und herzufahren.


Der Parawing als Mittel zum Zweck: So wurde der Parawing vor 2 Jahren auf Maui von Greg Drexler erfunden. Die Entwicklung geht rasant voran im Sport und in der Entwicklung von neuem Material. Längst ist der Parawing mehr als ein „Tool“ für Downwinder und immer mehr „Binnnen Foiler“ wechseln vom Wing zum Parawing.

In Downwind Revieren wie Hood oder Maui sieht man schon mehr Parawings als Wings.


Und wie gut hat das Parawing für dich funktioniert?

Ich hatte das Thema vor der Reise ehrlich gesagt etwas vor mir hergeschoben und vorher nur zwei Sessions in Kiel gemacht.

In Hood River wurde der Parawing dann zu einer perfekten Ergänzung zum Paddeln. Einfach ist er allerdings nicht. Besonders bei böigem Wind kann aus einer entspannten Session schnell ziemlich viel Schwimmen werden.

Bei längeren Runs habe ich aber auch die Grenzen gesehen. Der Columbia River kann extrem windig sein und trotzdem plötzlich ein komplettes Windloch haben. Wenn der Wind weg ist, hilft dir auch der beste Parawing nicht mehr. Genau dann ist ein Paddel Gold wert.

Ich sehe Paddel und Parawing deshalb inzwischen weniger als Konkurrenz, sondern als zwei unterschiedliche Werkzeuge: Parawing für kurze Wiederholungs-Runs und das Paddel für Sicherheit und vor allem für längere Strecken.

Wie hast du die Foil-Community in Hood River erlebt?

Foilen ist dort vollkommen normal.

Am Hatchery stehen Autos voller Downwindboards, überall sieht man Foils und Parawings und die Leute sprechen über Runs, Foilgrößen und Setups. Viele richtig gute Fahrer sind dort unterwegs.

Man lernt schon unglaublich viel durchs Zuschauen und kommt außerdem sehr schnell ins Gespräch.

Bei deinen Foils ging es in Hood River immer weiter nach unten: 1300, 980, 850 und schließlich sogar 720. Was hast du dabei gelernt?

Zu Hause war ich bis dahin hauptsächlich einen 1300er Frontwing gefahren.

Am ersten Tag in Hood River konnte ich direkt einen 980er hochpaddeln. Das hat mich motiviert – vielleicht etwas zu sehr. Ich dachte: Wenn 980 geht, dann muss 850 doch auch gehen.

Da habe ich ziemlich schnell meine Grenze kennengelernt. Den 980 konnte ich hochpaddeln, beim 850 hat es mit dem Paddel noch nicht zuverlässig funktioniert.

Mit dem Parawing sah das ganz anders aus. Sobald der Parawing die Beschleunigung beim Start übernimmt, braucht man viel weniger Foilfläche. Und wenn man erst einmal fliegt, merkt man, wie viel Lift auch ein kleines Foil noch produziert.

Später bin ich sogar einen 720er gefahren.

Das war für mich der eigentliche Aha-Moment: Mein Limit war nicht, das kleine Foil zu fahren. Mein Limit war, es mit dem Paddel überhaupt erst zum Fliegen zu bekommen.

Heißt das: Je kleiner das Foil, desto besser?

Nein, überhaupt nicht.

Auch Hood River ist kein „immer das kleinste Foil“-Spot. Je nach Windstärke und Windwinkel muss die Foilgröße angepasst werden.

An einem Tag bin ich ganz bewusst wieder auf meinen 1130er zurückgegangen, weil ich mich aufs Downwinden konzentrieren wollte und nicht auf einen Krafttest beim Start.

Die interessante Frage ist für mich seitdem nicht mehr: „Wie klein kann ich gehen?“, sondern: Wie klein kann ich für die vorhandene Energie sinnvoll gehen?

Mit größeren Foils bin ich mittlerweile sicher unterwegs. Mein nächster Schritt ist deshalb, nicht nur zu fragen, ob ich einen Downwinder fliegen kann, sondern ob ich ihn auch mit einem kleineren Foil fliegen kann.

Ein großes Foil verzeiht viel. Mit einem kleineren Foil muss ich effizienter fahren, bessere Linien wählen und die Energie der Bumps konsequenter nutzen.

Muss man für solche Bedingungen wirklich nach Hood River reisen oder kann man Downwind Foilen auch an der Ostsee lernen?

Man muss definitiv nicht nach Hood River fliegen, um Downwind Foilen zu lernen.

Durch die Reise wurde mir noch einmal bewusst, dass wir auch zu Hause rund um Kiel ein sehr gutes Downwind-Revier haben. Bei West- wie Ostwind lassen sich unterschiedliche Strecken fahren und viele davon sind unkompliziert zu shuttlen.

Westwind in der Eckernförder Bucht finde ich besonders gut zum Lernen. Die Bumps sind klein und steil und geben einen schönen Schub für den Take-off.

Grundsätzlich macht mehr Wind den Einstieg einfacher. Ab etwa 25 Knoten werden die Bumps interessanter und liefern deutlich mehr Energie – natürlich immer abhängig von Erfahrung, Sicherheit und Strecke.

Die Grundlagen und sehr viel Progression sind also auch vor der eigenen Haustür möglich.

Was würdest du jemandem empfehlen, der jetzt mit SUP Downwind Foiling anfangen möchte?

Macht es euch am Anfang nicht unnötig schwer.

Vor allem sollte man nicht auf den vermeintlich perfekten Skill-Level warten, bevor man Downwind ausprobiert. Wie gesagt: Der Flatwater Paddle-Up ist keine Voraussetzung.

Was wirklich hilft, ist mit jemandem aufs Wasser zu gehen, der das Revier kennt und beim Setup helfen kann.

Board, Foilgröße und Technik müssen zur jeweiligen Person passen. Ein Foil, das für einen erfahrenen Fahrer perfekt funktioniert, kann einem Einsteiger den Lernprozess unnötig schwer machen.

Ich hatte dabei einen großen Vorteil: Kai.

Als ich meinen Paddle-Up gelernt habe, war er durch Ella sowieso häufig am Ufer und konnte bei unzähligen Versuchen zuschauen und mir direkt Feedback geben. Gerade bei kleinen technischen Details – Beschleunigung, Paddeleinsatz oder der richtige Moment, um das Foil freizubekommen – macht das einen riesigen Unterschied.

Foil Papa Kai Steimer agiert als Board Caddy mit dem Kinderwagen. Kai ist selber Urgestein des Deutschen SUP Sportes mit unzähligen Titeln und ist nun Betreiber von foilit.de und Importeur von verschiedenen Foil und SUP Marken.

Wer bei uns im Norden anfangen möchte, kann sich über Foilit.de direkt bei Kai melden. Er berät bei der Materialwahl und bietet Paddle- und Foil-Coaching an. Gutes Coaching kann gerade am Anfang viele frustrierende Sessions und Fehlkäufe ersparen.

Was fährst du aktuell für Material?

Ich fahre mittlerweile Code Foils und bin seit Kurzem Teil des Code-Foils-Teams.

Für unsere Bedingungen zu Hause bleibt ein Frontwing um 1300 mein sinnvollstes Downwind-Setup. Er startet früh, trägt gut durch schwächere Sections und gibt mir die Reserve, mich auf das Lesen und Verbinden der Bumps zu konzentrieren.

Hood River hat mir aber gezeigt, dass ich mich langfristig nicht auf diese zusätzliche Fläche verlassen möchte. Der 980er war der erste Schritt, mit dem Parawing ging es bis zum 720er.

Beim Board bevorzuge ich ein langes, schmales Downwindboard, das schnell beschleunigt und den Paddle-Up erleichtert.

Mit dem Parawing habe ich in Hood River aber auch komplett andere Konzepte ausprobiert – bis hin zu einem 44-Liter-Sinker. Solange genug Wind da war, hat selbst das funktioniert.

Genau diese Bandbreite finde ich spannend: nicht nach dem einen perfekten Foil zu suchen, sondern zu verstehen, welches Setup zu welchem Tag passt.

Was nimmst du am Ende aus deiner „Road to Hood River“ mit?

Ich bin nicht nach Hood River gefahren, um dort meine ersten Downwinder zu lernen. Mein Ziel war, nach Schwangerschaft und Geburt wieder richtig in den Sport zurückzukommen.

Genau das ist passiert – und noch mehr.

Der Parawing kam dazu, ich konnte kleinere Foils ausprobieren und verstehen, wie viel mehr Geschwindigkeit und Freiheit diese Setups beim Bump Riding ermöglichen.

Ich möchte lernen, weniger Foil zu brauchen. Nicht, um mit kleineren Zahlen auf dem Papier anzugeben, sondern weil es bedeutet, die Energie im Wasser besser zu nutzen.

Ob mir das jetzt auch an der Ostsee gelingt, ist meine nächste Frage.

Nach vielen Jahren Profisport habe ich damit wieder eine Sportart gefunden, in der ich ständig neue Herausforderungen sehe – nur dass das Training heute meistens mit Baby, Kinderwagen, Paddel und Parawing im Auto organisiert wird.


Findest Du unseren Content gut und möchtest mehr solche Stories? Es steckt viel Arbeit und Enthusiasmus dahinter und wir brauchen Deinen Support.

Online Abo

Von: 10.00 / Jahr

Magst Du den Content des Stand Up Magazins?

Mit einem Onlineabo hilfst Du die Zukunft des Stand Up Magazins zu sichern.

Werde Gönner und Supporter unserer Arbeit mit einem Online Abo.

Dein Abo ist ein Jahresbeitrag und erneuert jedes Jahr.

Dazu bist automatisch auf unserem GRATIS Newsletter mit dabei.

Löschen
Kategorie: