
Warum die elektrische Unterstützung unter Paddlern immer mehr Anhänger findet
Für viele Stand Up Paddler liegt die Schönheit des SUP in der Herausforderung: jede Meile auf dem Wasser durch Können, Ausdauer und Fitness zu verdienen. Aber was passiert, wenn Wind, Strömungen oder einfach das Alter diese Meilen deutlich schwerer machen? Immer mehr Paddler entdecken einen Mittelweg zwischen reinem Paddeln und motorisiertem Wassersport: elektrische Finnen.
Ein Produkt, das in diesem Bereich für Aufsehen sorgt, ist die Boost Fin, ein elektrisches Finnensystem, das an einem Stand Up Paddle Board befestigt wird und bei schwierigen Bedingungen für zusätzlichen Vortrieb sorgt. Manche Paddler/innen zögern zwar zunächst bei dem Gedanken, ihr SUP mit einem zusätzlichen Antrieb auszustatten, aber die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Technologie weniger das Paddeln ersetzt als vielmehr die Zeit auf dem Wasser verlängert.
Wind und Strömung bewältigen, ohne es zu übertreiben

Nimm die Erfahrung von Chris J. aus dem Bundesstaat Washington, einem langjährigen Paddler auf den anspruchsvollen Gewässern des Puget Sound. Mit 58 Jahren genießt Chris immer noch regelmäßige SUP-Sessions, aber er gibt zu, dass die Ermüdung der Schultern immer mehr zum limitierenden Faktor geworden ist.
Paddeln im Puget Sound bedeutet, sich mit kaltem Wasser, starken Gezeitenströmungen und exponierten Bedingungen auseinanderzusetzen. Vor allem die berüchtigten Tacoma Narrows sind für Strömungen bekannt, die selbst erfahrene Paddler schnell demütigen können. Der Kampf gegen Wind und Strömung auf dem Rückweg einer Paddeltour kann aus einem angenehmen Ausflug oft eine körperliche Qual machen.
Wie viele erfahrene Paddler war auch Chris anfangs skeptisch, ob er sein SUP mit einem Motor ausstatten sollte.
„Ich bin nicht auf der Suche nach einem Motorboot.“
„Ich will mir meine Meilen immer noch selber erarbeiten.“
Stattdessen war sein Ziel einfach: die Belastung seiner Schultern zu reduzieren und länger zu paddeln, ohne die körperliche Bestrafung danach.
Ein SUP-Tool, kein Ersatz für das Paddeln
Nach der Installation der Boost-Finne – ein Aufsatz, der angeblich in wenigen Minuten mit einem Standard-Adapter für den Flossenkasten montiert werden kann – begann Chris mit der Intervallunterstützung zu experimentieren. Anstatt ständig den Motor zu benutzen, paddelte er abwechselnd aus eigener Kraft und mit geringer bis mittlerer Unterstützung.
Die größte Überraschung war nicht die höhere Geschwindigkeit.
Stattdessen war es die geringere Anstrengung, die unter schwierigen Bedingungen nötig war.
Auf dem Rückweg durch die Strömung der Tacoma Narrows bot die Finne gerade genug Unterstützung, um den Widerstand zu mindern. Anstatt sich im Kampf gegen die Strömung zu verausgaben, beschreibt Chris, dass er bequem paddeln und trotzdem die Arbeit selbst machen konnte.
Für viele ältere Paddlerinnen und Paddler – oder alle, die sich von einer Schulterzerrung erholen – liegt hier vielleicht der größte Nutzen. Systeme wie die Boost Fin ersetzen nicht das körperliche Training, sondern können helfen, Überlastungserscheinungen zu reduzieren und die Anzahl der Jahre zu verlängern, in denen Paddler auf dem Wasser aktiv bleiben.
Längere Routen werden wieder möglich
Ein weiterer Vorteil, der von Paddlern, die ein elektrisches Hilfssystem nutzen, häufig genannt wird, ist die größere Reichweite.
Spots, die dir früher zu exponiert, zu weit im Wind oder einfach zu riskant erschienen, um sie alleine zu befahren, werden plötzlich wieder realistisch. Für Paddler an Orten mit starken Gezeiten oder langen Rückwegstrecken – wie auf Hawaii, im Nordwesten des Pazifiks oder an vielen europäischen Küsten – kann ein Backup-Hilfssystem ebenfalls für zusätzliche Sicherheit sorgen.
Die Boost Fin Plus ist mit einem 3500-mAh-Akku ausgestattet, der für etwa 50 Minuten Dauerbetrieb auf einem SUP ausgelegt ist. Wer länger unterwegs sein möchte, kann sich für das Boost Fin Long Range Modell entscheiden, das mit einem größeren 7000-mAh-Akku ausgestattet ist und so eine längere Laufzeit bietet. Viele Paddlerinnen und Paddler maximieren die Akkulaufzeit jedoch, indem sie Intervallunterstützung statt Dauerleistung nutzen.
Ein wachsender Trend im Stand Up Paddling?
Wir vom Stand Up Magazin verstehen, warum traditionelle Paddlerinnen und Paddler bei elektrischer Unterstützung auf einem SUP zunächst die Augenbrauen hochziehen. Die Kultur des Paddelns ist seit jeher tief mit dem Selbstantrieb und der Fitness verwurzelt.
Gleichzeitig erkennen wir aber auch eine wichtige Tatsache an: Wenn Technologie Paddlern hilft, länger aktiv zu bleiben, weiter zu paddeln, Verletzungen zu reduzieren und den Sport bis in ihre 50er, 60er Jahre und darüber hinaus zu genießen, verdient sie einen genaueren Blick.
Vor allem an Orten, an denen Wind, Strömungen und lange Paddelstrecken zum Alltag gehören, geht es bei einer Hilfsflosse vielleicht nicht darum, schneller zu werden, sondern einfach nur darum, länger draußen zu bleiben und das Paddeln nach Hause angenehmer zu gestalten.
Für Chris war das letztlich die Erkenntnis.
Er versucht nicht, mit jüngeren Paddlern mitzuhalten oder sein SUP in ein motorisiertes Boot zu verwandeln. Er will einfach weiterhin das tun, was er liebt – ohne dafür am nächsten Tag mit schmerzenden Gelenken zu bezahlen.
Und für viele Stand Up Paddler klingt das wie ein ziemlich überzeugendes Argument.
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