Das Stand Up Magazin blickt nicht nur auf den Wassersport selbst, sondern auch auf die Entwicklungen innerhalb der Branche. Entsprechend gespannt haben wir das Interview mit dem Director of Marketing bei Duotone erwartet. Wer SUP, Wing oder Foil in irgendeiner Form kommerziell betreibt, sollte genau hinhören (oder besser gesagt: lesen), wenn jemand wie Thomas Kaiser seine Perspektiven teilt. Denn eine gesunde Branche und ein weiter Horizont sind entscheidend für die Zukunft von uns allen.

„Thomas Kaiser ist Marketing Director bei Duotone / Boards & More GmbH und zählt zu den prägenden Köpfen hinter der Markenentwicklung eines der weltweit führenden Wassersport-Unternehmen. Seit über einem Jahrzehnt ist er Teil der Organisation und hat den Wandel von North Kiteboarding hin zur heutigen Marke Duotone maßgeblich mitgestaltet. Mit seiner Erfahrung in internationaler Markenführung, Produktkommunikation und strategischem Marketing verantwortet er heute die globale Positionierung von Duotone über mehrere Disziplinen hinweg – von Kitesurfen über Wingfoiling bis hin zu Stand Up Paddling. „
So in etwa beschreibt ChatGPT den Strategen hinter der Marke Duotone und wir vom Stand Up Magazin sind hoch interessiert von ihm zu hören. Wer das Stand Up Magazin kennt, weiß, dass wir uns nicht nur für den Wassersport selbst interessieren, sondern auch für die Branche, in der wir uns bewegen.
In dem Sinne vielen Dank Thomas, dass Du dir Zeit für das Stand Up Magazin nimmst und auch vielen Dank für die Zusammenarbeit. Bevor wir über das Business sprechen, erzähl uns doch etwas über Dich. Wie bist du zum Wassersport gekommen?

Ich bin 1998 zum ersten Mal mit Wassersport in Berührung gekommen – am Mondsee, bei einem der allerersten Kitekursen überhaupt. Das war eine Zeit, in der Kitesurfen noch völliges Neuland war. Hardy Brandstötter, einer der Pioniere des Sports in Österreich, hat dort gerade begonnen, eine der ersten Ausbildungsstrukturen aufzubauen.
Es gab kaum Schulen, kaum Material – aber unglaublich viel Aufbruchsstimmung. Genau dieses Gefühl hat mich sofort gepackt. 2002 habe ich dann meinen Kitelehrerschein gemacht – und seitdem hat mich der Sport nie mehr losgelassen.
Was mich bis heute motiviert, ist dieses Gefühl auf dem Wasser: Komplett im Moment zu sein, Wind, Wasser und Natur intensiv zu spüren. Ich lebe am Neusiedlersee, bin dort regelmäßig am Wasser – Kiten ist für mich nach wie vor der Kern, aber SUP ist ein wichtiger Ausgleich geworden. Es ist ruhiger, entschleunigter – aber am Ende geht es immer um dasselbe: draußen sein, Bewegung, Natur und dieses Gefühl von Freiheit.
Du hast ganz offensichtlich eine gute Karriere im Wassersport gemacht und bestimmt viele Zyklen durchlaufen. Fangen wir aber beim Aktuellen Stand an: DUTONE hat im März seine Produktpalette auf Inflatable SUPs erweitert. Wir beim Stand Up Magazin werten das als ein sehr positives Signal an die Branche. In einer Post-Covid Welt ging es mit den Brettsportarten nur noch bergab. Viele Läden haben in Deutschland zugemacht, die boot beklagt einen Ausstellerschwund und auch Boards and More hat sich mit Fanatic aus dem SUP Racebereich zurück gezogen, das sind nur ein paar wenige Beispiele. Trotzdem investiert Boards and More in den SUP Bereich.
Wo sieht Du das Potential für DUOTONE SUPs und warum gerade jetzt das Launching?

Die Entscheidung, SUP unter DUOTONE zu integrieren, ist kein kurzfristiger Move, sondern Teil einer klaren strategischen Weiterentwicklung unserer Marke.
Wir sehen Wassersport nicht mehr in einzelnen Disziplinen, sondern als zusammenhängendes Erlebnis. Genau hier liegt das Potenzial von SUP: Es ist der einfachste Einstieg in die Welt des Wassersports – ein „easy entry“, der unglaublich viele Menschen anspricht.
Warum jetzt? Weil sich der Markt nach der Covid-Phase neu sortiert hat. Der Hype ist vorbei, aber das bedeutet auch: Es bleibt ein stabiler, relevanter Kern. Und genau in dieser Phase entstehen die nachhaltigsten Markenpositionen.
Unsere Kunden sind dabei bewusst breit gedacht:
- Einsteiger, die über SUP erstmals Zugang zum Wasser finden
- Freizeitnutzer, die SUP als Balance zum Alltag sehen
- Core-Wassersportler, die zusätzliche Zeit auf dem Wasser suchen
- Familien und Communities, für die SUP ein verbindendes Element ist
SUP ist für uns nicht nur ein Produktsegment – es ist ein strategischer Zugangspunkt in das gesamte DUOTONE Universum.
Der SUP Sport ist nach wie vor sehr klein und doch, Schlüsselevents in ganz Europa erfreuen sich über guten Zulauf. Auch der Internationale Kanu Verband hat letztes Jahr mehr als 300 Leute nach Abu Dhabi locken können. Wie beobachtest Du den aktiven SUP Sport?
Der aktive SUP-Sport ist klein, aber stabil. Events funktionieren, die Community ist engagiert und sehr loyal. Für uns ist wichtig: Wir bewerten SUP nicht primär über den Wettkampfsport. Die eigentliche Stärke liegt im Zugang, in der Breite und im Lifestyle-Aspekt. Der Sport lebt nicht nur von Events, sondern in der Rolle als verbindendes Element innerhalb des gesamten Wassersports.
Wenn wir uns den aktiven Sport von der Demographie her ansehen stellen wir fest, dass der Sport von Ü40zigern und Ü50zigern dominiert wird. Auch im Wingsport scheinen viele Alt-Windsurfer / Kiter ein Wiedererwachen zu haben. Wie siehst Du das aus der Duotone-Global Perspektive?
Das sehen wir global sehr ähnlich. Viele Disziplinen im Wassersport werden aktuell stark von einer Zielgruppe geprägt, die schon lange im System ist – oft ehemalige Windsurfer oder Kiter, die über Wing oder andere neue Disziplinen wieder zurück aufs Wasser finden.

Das ist ein spannender Effekt, weil er zeigt, wie eng die verschiedenen Sportarten miteinander verbunden sind. Menschen wechseln nicht einfach aus dem Sport heraus, sondern bewegen sich innerhalb eines gesamten Ökosystems weiter.
Gleichzeitig sehen wir, dass die Zielgruppe insgesamt mitwächst – sowohl individuell als auch über Generationen hinweg. Viele bleiben deutlich länger aktiv und geben ihre Begeisterung zunehmend weiter.
Am Ende geht es nicht nur darum, bestehende Zielgruppen zu halten, sondern den Sport langfristig zu öffnen und weiterzuentwickeln.
Kommen Junge nach und falls ja woher siehst Du die kommen?
Ja, sie kommen – aber anders als früher.
SUP oder Wing sind oft die ersten Berührungspunkte. Eine neue Generation wächst nach – nur nicht mehr primär über Vereine oder klassische Wettkampfstrukturen, sondern über Erlebnisse, Reisen, digitale Inspiration und Communities.
Der Zugang ist heute deutlich emotionaler und visuell geprägt. Es geht weniger um Leistung im ersten Schritt, sondern darum, den Sport überhaupt zu erleben und für sich zu entdecken.
Genau deshalb ist es entscheidend, aktiv in Nachwuchsarbeit zu investieren. Über Young Blood Camps, gezielte Jugendprogramme und Förderungen können wir neue Zugänge schaffen und Kids wieder stärker aufs Wasser bringen – weg von rein digitalem Konsum, hin zu echter Erfahrung in der Natur.
Am Ende entsteht Wachstum dort, wo wir es schaffen, Begeisterung auszulösen und langfristig zu verankern.
Wo wir schon bei Demographie sind: Ich habe vor kurzem im Foiling Magazin ein Interview gelesen mit der Amerikanerin Sensi Graves von der AWSI. (Assoziation of Windsports Industy). Ihre These ging folgendermaßen:
“Während Marken in der breiteren Wind- und Wassersportbranche zunächst Wachstum verzeichnen konnten – durch die Produktion und den Verkauf von Wings, SUP-Boards und Parawings – handelte es sich bei vielen dieser Kunden jedoch nicht um neue Teilnehmer, sondern um bestehende Segmente innerhalb des Windsports. Kiter wurden zu Wingern, Windsurfer begannen mit SUP-Foiling, und Winger wechselten zum Parawing. Tatsächlich sind wir nicht wirklich gewachsen, sondern haben immer wieder dieselben Kunden innerhalb des Marktes neu verteilt.“
(Anm. d. Red.: Wir hatten ein Interview mit Sensi Graves pendent, bekamen aber nie eine Antwort)
Was sind deine Gedanken dazu?
Die Beobachtung ist nicht falsch – kurzfristig sehen wir definitiv viel Bewegung innerhalb bestehender Zielgruppen. Kiter gehen ins Wingen, Windsurfer ins Foilen, und viele probieren neue Disziplinen aus.
Aber aus unserer Sicht greift diese Betrachtung zu kurz.
Wenn man nur einzelne Sportarten isoliert betrachtet, wirkt es wie eine Umverteilung. Wenn man den Wassersport als Gesamtsystem sieht, passiert etwas anderes: Menschen bleiben länger im Sport, erweitern ihr Spektrum und verbringen insgesamt mehr Zeit auf dem Wasser.
Genau darin liegt das eigentliche Wachstum.
Neue Disziplinen senken Einstiegshürden, schaffen neue Zugänge und machen den Sport vielseitiger. SUP zum Beispiel bringt komplett neue Zielgruppen ans Wasser – oft Menschen, die vorher keinen Bezug zum klassischen Windsport hatten.
Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe als Marke, diese Einstiegspunkte bewusst zu gestalten und weiterzuentwickeln. Über Produkte, aber auch über Programme, Communities und Erlebnisse.
Am Ende geht es nicht nur darum, neue Kunden zu gewinnen, sondern ein System zu schaffen, in dem Menschen langfristig Teil des Sports bleiben und sich darin weiterentwickeln.
Sprechen wir noch kurz über den neusten Trend: Wir gehen mit dem Parawing in 2026 in den dritten Sommer. Die Meinungen über die Zukunft des Parawings scheinen immer noch geteilt. Viele hier auf Maui vergleichen die Phase im Parawing grad mit den ersten Jahren des Kitens: Noch nicht ausgereift genug sagen einige. Wieder andere finden es zu schwierig.
Wo siehst du das Potential für den Sport als solches und die kommerziellen Chancen und Risiken?
Parawing ist aktuell genau in der Phase, in der viele neue Disziplinen starten – sehr früh, noch nicht vollständig ausgereift, aber mit klar erkennbarem Potenzial.
Der Vergleich mit den frühen Kite-Jahren passt aus meiner Sicht gut. Am Anfang ist der Zugang oft anspruchsvoller, die Produkte entwickeln sich noch stark weiter und die Zielgruppe ist zunächst eher spitz.
Gleichzeitig liegt genau darin die Chance: Parawing eröffnet neue Nutzungsszenarien und erweitert bestehende Disziplinen. Für erfahrene Wassersportler kann das extrem spannend sein, weil es neue Möglichkeiten auf dem Wasser schafft.
Der Sport steht noch am Anfang und bietet entsprechend großes Entwicklungspotenzial – sowohl technologisch als auch im Zugang für die Nutzer.
Kommerziell ist es wichtig, das realistisch einzuordnen. Nicht jede neue Disziplin wird sofort ein Massenmarkt. Es braucht Zeit, um Produkte zu optimieren, Einstiegshürden zu senken und eine breitere Zielgruppe zu erreichen.
Das Risiko liegt darin, zu früh zu viel zu erwarten oder den Markt zu schnell skalieren zu wollen.
Die Chance liegt darin, früh Teil der Entwicklung zu sein, Know-how aufzubauen und den Sport aktiv mitzugestalten.
Am Ende geht es darum, Innovation zuzulassen, ohne sich vom kurzfristigen Hype treiben zu lassen – sondern mit einem klaren Blick auf das langfristige Potenzial.
Vielen Dank für deine Ausführungen, ich bin auch sehr gespannt wie das alles weitergeht und nochmals vielen Dank für die Zusammenarbeit.
Es ist mir ein freude.
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