Dreifach SUP Weltmeister Manuel Lauble – Interview

Es ist unglaublich toll zu sehen, wie die internationale SUP-Community in Italien zusammenkam und wie sich Deutschland international etabliert. Auch wenn wir seit Sonni Hönscheid keine wirklichen Elite-Athletinnen oder -Athleten mehr hatten, ist es doch sehr eindrücklich, wie Manuel Lauble in der 40+-Klasse gleich dreimal Gold holte. Etwas, das vor ihm nur Peter Weidert schaffte.

Auch bei den Junioren gibt es grosse Erfolge zu vermelden. Marlon Daskiran holte zweimal Silber und Benyam Bossack Silber im Longdistance-Rennen. Im Sprint der Damen schaffte es Skadi Langbein ins A-Finale.

Das war alles sehr toll zu sehen. Wir vom Stand Up Magazin konnten aus bekannten Gründen leider nicht dabei sein, dafür haben wir jetzt aber ein schönes Interview mit Manuel Lauble.

📸 @ Damiano

Erstmal Gratulation zu deinen 3x Gold-Medaillen. Wie cool ist das denn?!?! Ausser Peter hat das noch keiner geschafft. Da müssen wir einfach ein paar Fragen stellen und die Geschichte dazu erzählen damit es in der Deutschen SUP Geschichte festgehalten wird. 

Was für ein unglaubliches Jahr für dich. Du holst dir 3 Gold Medaillen an den ICF / Paddle Worldwide Weltmeisterschaften. Also bevor wir in die Details gehen erzähl uns doch kurz wie die WM war?

Vielen Dank, Mike. Ja, das war der krönende Abschluss. Eine wirklich tolle Weltmeisterschaft in Italien. Die größte Weltmeisterschaft jemals. Über 900 Athletinnen und Athleten aus 58 Nationen. Es war ein großes Fest bei Sonne und bester Stimmung. Die vielen Helfer haben sich echt bemüht, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Erfreulich fand ich, dass der Zeitplan zu 100 % eingehalten wurde. Jeder Athlet und jede Athletin musste genau wann der Start stattfindet und zu welcher Zeit man aufs Wasser gehen musste. Soweit ich das beurteilen kann, gab es auch einen tollen Livestream (leider hinter einer Paywall). Es waren zeitweise drei Drohnen in der Luft, welche unterstützt wurden von stationären Kameras am Ufer im Zielturm und auf Booten. Die Besucher und auch Athleten konnten das Spektakel live und kommentiert von Mister TotalSUP auf einer großen LED Wand verfolgen. Dort wurden auch Platzierungen und Live-Daten wie Entfernung zum Ziel oder aktuelle Geschwindigkeit angezeigt.

Wow wirklich super, schade das wir nicht dabei sein konnten, es war wohl die grösste SUP Party die die Welt je gesehen hat. Jetzt aber mal zu den einzelnen Disziplinen. Im Sprint war es ja tatsächlich so dass du haargenau gleichzeitig mit dem Argentinier über die Ziellinie kamst. Wie war das? Gabs da Diskussionen?

ICF-SUP-Sprint-Photofinish

Es war ein unglaublich enges Finale. Wir wussten beim überfahren der Ziellinie nicht, wer die Nase vorne hatte. Es hat eine gute Weile gedauert, bis die Zielfotos ausgewertet waren. Wir paddelten bereits bis zum Steg, als die Nachricht aus dem Zielturm kam. Lucas Correa und ich hatten auf die Hundertstel Sekunde exakt die gleiche Zeit (25.80). Dicht gefolgt von Ryohei Yoshida (25.90), der nur zehn Hundertstel nach uns die Ziellinie überquerte. Die Freude war riesig. Das Zielfoto spricht für sich. Hier gibt es nichts zu diskutieren -> siehe Ziel Foto

Im Tech Race warst du dann mit 4 Sekunden doch deutlich schneller als die Japanische Konkurrenz. Kannst Du uns kurz davon erzählen?

Das Finale versprach viel Action – vollgepackt mit den schnellsten aus unserer Klasse: Lucas Correa (ARG), Ryohei Yoshida (JPN), Hermann Husslein (THA), Francisco Giusti (ARG) dem amtierenden Weltmeister, Viktor Kraus (GER), Szabolcs Fodor (HUN) und Takahiro Kashiwabara (JPN). Nach einem schnellen Start erreichte Ryohei und ich nach guten 100 m die erste Boje. Hinter uns ging es richtig zur Sache. Wir konnten eine kleine Lücke reißen. Die nächsten 600 m hielt ich mich im Draft und der Seitenwelle um Energie zu sparen. An der letzten Boje und circa 80 m vor der Ziellinie startete ich meine Attacke auf Platz 1.

Wie war es im Longdistance Rennen? Du warst schneller als Joep van Bakel. Bis dann Ryohei und Teichi ankamen ging es aber noch einen Moment. Wie war die Strecke und wie hast du dich taktisch verhalten?

Mir war klar, dass in diesem Jahr die Langdistanz sehr taktisch werden würde. Alle Paddler wussten, was in Abu Dhabi passiert war, als ich alleine vorne weg gepaddelt bin und am Ende mit über 2 Minuten Vorsprung ins Ziel kam. Schon an der Startlinie hatten wir den Blick auf die Konkurrenz gerichtet. Der Kurs verlief in einer L-Form über drei Runden.

Die lange Gerade bis zur ersten Boje (1.400 m) lag genau in Windrichtung – Up Wind nach oben und Downwind zurück. Joep, Ryohei und ich konnten uns schnell vom Feld absetzen. Ich wusste, es würde auf einen Zielsprint heraus laufen. Nach einer misslungenen Attacke von Joep in der letzten Runde erhöhte ich mein Tempo deutlich und riss die Lücke. Den letzten Kilometer fuhr ich all out und sicherte mir so den Sieg in der Langdistanz.

Manu und Teich | 📸 Damiano

Wow echt cool, sag mal wie hast Du dein Training geschafft als Vater und noch mit einem Geschäft. Wie viel Zeit hast du investiert?  War die Familie auch in Italien?

Ich hab mich sehr gefreut, dass mich meine Frau nach Italien begleiten konnte. Unsere beiden Kinder (15/18) hatten leider keine Schulferien und sind zu Hause geblieben. Mein Tag ist gut strukturiert. Meist absolviere ich mein erstes Training in der Mittagspause oder nachmittags (dann fällt die Mittagspause eben aus) gefolgt von einer zweiten Trainingseinheit am Abend. Ich trainiere 12–14 mal in der Woche. In der Regel jeden Tag auf dem Wasser, kombiniert mit Krafteinheiten im Gym und lockeren Laufeinheiten im Grundlagenbereich. Unsere beiden Kinder sind schon groß das macht es natürlich deutlich einfacher. Und generell ist Training für mich eine tolle Möglichkeit abzuschalten, den Kopf frei zu bekommen. Ich quäle mich gerne und versuche mich stetig zu verbessern. Die Trainingsplanung und Auswertung macht mein Trainer Christian Taucher von SUP.Training individuell zugeschnitten auf mich und meinen Wettkampfkalender.

Ich habe gesehen, viele Länder hatten den Team Spirit, wie war das mit Team Germany. Habt ihr euch da organisiert? Das bekam man von weitem irgendwie nicht so mit. Falls organisiert, wer war da zuständig? DKV oder GSUPA?

Mit 52 Athletinnen und Athleten war Deutschland so gut vertreten wie noch auf einer Weltmeisterschaft. Lediglich Italien, Spanien und Griechenland hatten mehr Teilnehmer. Auf einem so großen Veranstaltungsgelände und durch die unterschiedlichen Startzeiten der Wertungklassen Junioren, Open, Masters, Frauen/Männer verläuft sich das natürlich etwas.

Aber wir haben uns immer wieder getroffen, ob zufällig oder vereinbart. Zum Mittagessen oder an der großen Videowand oder bei der Eröffnungsfeier. Thomas Hanke-Hanel (Ressortleiter SUP) und Peter Weidert haben vor Ort den DKV vertreten und uns unterstützt.

Ein Wort noch über die Junioren, wir haben Marlon und Benyam auf dem Podium gesehen. Die Deutschen Junioren scheinen am kommen?

Das ist so cool! Es freut mich riesig, dass unser Nachwuchs so gut performt. Marlon (Silber Junioren) hat eine unglaubliche Entwicklung hingelegt und ist jetzt der drittschnellste Sprinter auf diesem Planeten. Er war mit seiner 23.96 sogar schneller als sieben der acht Finalisten der offenen Klasse (ich weiß, unterschiedliche Rennen kann man nicht miteinander vergleichen aber die Zahlen sind trotzdem beeindruckend). Das ist crazy! Benyam dominiert im Technical und auf der Langstrecke. Skadi hat eine unglaubliche Leistung abgerufen. Und mit Andri, Oscar, Anton usw. haben wir weitere starke junge Paddler. Ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland noch mehr in unsere Nachwuchsförderung investieren.

Vielen Dank Manuel, echt super Leistung und toll wie Du Deutschland auf der Weltbühne vertrittst.


Findest Du es gut das sich das Stand Up Magazin als einziges Medium in Deutschland um den aktiven SUP Sport kümmert? Falls ja bitte werde ein Supportendes Mitglied unserer Community und wer weis, vielleicht sind wir so eines Tags auch wieder an den SUP Weltmeisterschaften dabei.

Online Abo

Ab: €10.00 / Jahr

Magst Du den Content des Stand Up Magazins?

Mit einem Onlineabo hilfst Du die Zukunft des Stand Up Magazins zu sichern.

Werde Gönner und Supporter unserer Arbeit mit einem Online Abo.

Dein Abo ist ein Jahresbeitrag und erneuert jedes Jahr.

Dazu bist automatisch auf unserem GRATIS Newsletter mit dabei.

Löschen
Kategorie: