SUP Steuer an der Ostsee

Ostsee-SUP-Gebuehr
Wir konnten kein gutes Foto finden und haben mal ganz frech die KI gefragt uns ein Bild zu machen.

Neue SUP-Gebühr an der Ostsee sorgt für Ärger – Bürgermeister zieht Reißleine nach massiver Kritik


Auf diese Geschichte wurden wir durch einen Bericht in einer lokalen Tageszeitung aus Schleswig-Holstein aufmerksam. In der Gemeinde Blekendorf an der Ostsee sorgte eine neu eingeführte Gebühr für Stand Up Paddle Boards zuletzt für erheblichen Ärger. Viele Einheimische, Wassersportler und Betreiber von Surfstationen zeigten wenig Verständnis für die Maßnahme. Auch wir vom Stand Up Magazin sehen zusätzliche Gebühren für den SUP-Sport kritisch – besonders in einer Zeit, in der vielerorts darüber diskutiert wird, wie Stand Up Paddling wieder wachsen und neue Menschen für den Sport begeistert werden können. Wer mehr Leute aufs Wasser bringen möchte, sollte Hürden abbauen und nicht neue schaffen.

SUP-Gebühr in Blekendorf sorgt für Widerstand

Im beliebten Ostseeort Blekendorf in Schleswig-Holstein ist eine neu eingeführte Gebühr für Stand Up Paddle Boards vorerst gestoppt worden. Nach massiver Kritik aus der Wassersport-Community und hitzigen Diskussionen in sozialen Medien setzte Bürgermeister Holger Schöning die Regelung mit sofortiger Wirkung aus. Doch die Debatte dürfte damit noch nicht beendet sein.

Blekendorf liegt im Kreis Plön und zählt rund 2.000 Einwohner. Zur Gemeinde gehört unter anderem der Sehlendorfer Strand, einer der beliebtesten Badeorte an der Ostsee in der Region. Gerade in den Sommermonaten zieht der Strand zahlreiche Besucher an, und der Tourismus spielt eine zentrale wirtschaftliche Rolle. Laut Angaben der Gemeinde werden jährlich rund 250.000 Übernachtungen gezählt.

Gleichzeitig investiert die Gemeinde stark in ihre touristische Infrastruktur. So entsteht derzeit am Sehlendorfer Strand eine moderne DLRG-Station mit Kosten von rund einer halben Million Euro. Ein großer Teil solcher Investitionen wird auch durch Einnahmen aus dem Tourismus ermöglicht.

Was war überhaupt geplant?

Auslöser der Diskussion ist eine Anpassung der bestehenden Strandnutzungssatzung. Bereits seit 2008 gibt es in Blekendorf Regeln und Gebühren für die Nutzung bestimmter Einrichtungen im Strandgebiet. Schon bislang mussten Windsurfer Gebühren entrichten, wenn sie ihre Boards dauerhaft am Strand lagern wollten. Für ein Surfbrett wurden rund 50 Euro pro Jahr fällig, alternativ existierte eine Tagesgebühr von fünf Euro.

Im Oktober 2025 beschloss die Gemeinde dann eine Erweiterung dieser Regelung: Künftig sollten auch Stand Up Paddle Boards unter die Gebühr fallen. Die Idee dahinter sei laut Gemeinde gewesen, eine „Gleichbehandlung“ zwischen Windsurfern und SUP-Paddlern zu schaffen.

Auf dem Papier klang das für die Verantwortlichen offenbar nachvollziehbar – in der Praxis sorgte die Entscheidung jedoch für erheblichen Gegenwind.

Kritik von Wassersportlern: „Das ist Quatsch“

Besonders deutlich wurde die Kritik von lokalen Wassersportlern. Stefan Sachau, Betreiber der Surf- und Segelschule Surf & Sail am Sehlendorfer Strand, bezeichnete die neue Gebühr in der Lokalzeitung deutlich als „Quatsch“.

Sachau betreibt seine Station bereits seit 1994 und erlebt nach eigener Aussage selten einen Saisonstart, der bei Wassersportlern so viel Frust ausgelöst habe. Zwar verstehe er den Wunsch nach Ordnung und Regeln am Strand, doch die neue Abgabe halte er für wenig sinnvoll.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die praktische Umsetzbarkeit. Während Windsurfboards häufig dauerhaft am Strand lagern, funktionieren viele SUPs heute anders – insbesondere aufblasbare Boards. Sachau fragt sich daher: Wer soll kontrollieren, ob ein aufblasbares SUP im Kofferraum liegt? Wie soll verhindert werden, dass Sportler einfach an benachbarte Strände ausweichen?

Denn die Konkurrenz ist groß. Rund um die Hohwachter Bucht gibt es zahlreiche Strandabschnitte, an denen Wassersportler ihr Board kostenlos nutzen können. Genau darin sehen viele Kritiker ein Problem: Wer zusätzliche Gebühren verlangt, riskiert, Besucher an andere Orte zu verlieren.

Shitstorm in sozialen Medien

Auch online ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. In sozialen Netzwerken machten Wassersportler ihrem Ärger Luft. Kommentare wie „mehr als daneben“, „Abzocke“ oder sogar „der helle Wahnsinn“ machten schnell die Runde.

Viele Nutzer verglichen die Maßnahme mit einer möglichen Gebühr für eigene Strandliegen oder Handtücher und warfen der Gemeinde vor, einen ohnehin rückläufigen Sport zusätzlich unattraktiv zu machen.

Gerade im SUP-Bereich, der nach dem Boom der Pandemie vielerorts wieder um Wachstum kämpft, dürfte eine zusätzliche Belastung bei vielen nur schwer vermittelbar sein.

Bürgermeister stoppt die Regelung – vorerst

Angesichts der Kritik zog Bürgermeister Holger Schöning schließlich die Reißleine und setzte die Gebühr vorerst aus. Ein wichtiger Grund dafür sei laut Bericht auch der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tourist-Information gewesen, die den Ärger vieler Strandbesucher direkt abbekamen.

Ganz vom Tisch ist die Sache allerdings noch nicht. Die Regelung kann nicht einfach per Bürgermeisterentscheid abgeschafft werden, da sie Teil einer offiziellen Satzung ist. Über eine Änderung muss die Kommunalpolitik entscheiden. Nach der Sommerpause dürfte das Thema deshalb erneut auf die Tagesordnung kommen.

Ein falsches Signal für den SUP-Sport?

Für viele in der Wassersport-Community bleibt vor allem eine grundsätzliche Frage offen: Ist es wirklich sinnvoll, Stand Up Paddling zusätzlich zu besteuern, wenn gleichzeitig vielerorts versucht wird, mehr Menschen für den Sport zu begeistern?

SUP gilt seit Jahren als eine der niedrigschwelligsten Wassersportarten überhaupt. Ein Board, etwas Wasser und schon kann es losgehen – ganz ohne Vereinsstruktur oder große Infrastruktur. Genau diese Einfachheit hat den Sport groß gemacht.

Natürlich kostet Infrastruktur Geld und Gemeinden müssen touristische Angebote finanzieren. Gleichzeitig profitieren Küstenorte aber auch massiv von aktiven Wassersportlern, die Unterkünfte buchen, Restaurants besuchen und lokale Angebote nutzen.

Aus unserer Sicht sendet eine zusätzliche Gebühr auf den Zugang zum Sport daher das falsche Signal – besonders in einer Zeit, in der viele Veranstalter, Marken und Communities versuchen, neue Menschen aufs Wasser zu bringen. Wachstum entsteht selten durch neue Barrieren.


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