
Nach der WM in Italien werden die rufe nach einer Ü60 SUP Klasse wieder lauter. Wir beim Stand Up Magazin fragten uns immer nach Sinn und Unsinn des ganzen. Brauchen wir noch mehr Weltmeistertitel? Aber man muss einfach Anerkennen, dass die älteren Generationen immer stärker am kommen sind und ihre Anerkennung verdienen. Viele aus dieser Klasse haben den Sport aktiv mitgestaltet. Der Stein des anstosses zu diesem Artikel hat uns ein Kanu Magazin gegeben das wir weiter unten nennen werden. Tauchen wir aber ein und überlegen uns das ganze und wir sehen wo wir ankommen:
Die SUP-Weltmeisterschaften 2026 in Sabaudia haben einmal mehr gezeigt, dass Stand-up-Paddling ein Sport für alle Generationen ist. Während bei den Junioren die Stars von morgen heranwachsen und die Elite um die prestigeträchtigen Weltmeistertitel kämpft, gibt es eine Generation, die trotz beeindruckender Leistungen bislang ohne eigene WM-Wertung auskommen muss: die Athletinnen und Athleten über 60 Jahre.
Ein aktueller Bericht von Kanu zum Frühstück bringt die Diskussion erneut ins Rollen. Die Zahlen sind bemerkenswert: 35 männliche Athleten des Jahrgangs 1966 oder älter waren in Sabaudia gemeldet. Zusammen kamen sie auf 95 Einzelmeldungen in Sprint, Technical Race und Long Distance.
Eine eigene 60+-Klasse gab es trotzdem nicht.
Chris Stringer zeigt, dass Alter nicht alles ist
Besonders eindrucksvoll war die Leistung des Kanadiers Chris Stringer. Der Jahrgang 1964 gewann das Sprintfinale der Masters 50+ in 27,12 Sekunden und ließ dabei auch deutlich jüngere Konkurrenten hinter sich.
Auch der Deutsche Arnd Dünzinger, Jahrgang 1965, zeigte in allen drei Disziplinen starke Leistungen. Bei einer gesonderten Auswertung der über Sechzigjährigen hätte er das Technical Race gewonnen, wäre Zweiter auf der Langstrecke und Dritter im Sprint geworden.
Auf der Langstrecke war mit Larry Cain ein weiterer prominenter Name erfolgreich. Der Kanadier, Olympiasieger von 1984 im Einer-Canadier, war in Sabaudia der schnellste Athlet seiner Generation.
Diese Leistungen unterstreichen, dass die 60+-Generation nicht einfach nur mitpaddelt. Sie trainiert, reist zu internationalen Wettkämpfen und kämpft weiterhin auf hohem Niveau um Platzierungen.
Die genannten 60+-Ergebnisse sind allerdings keine offiziellen WM-Platzierungen. Sie wurden von Kanu zum Frühstück anhand der veröffentlichten Ergebnisse und Geburtsjahrgänge nachträglich berechnet.
Wie machen es andere Sportarten?
Wir beim Stand Up Magazin haben uns gefragt, ob der SUP-Sport mit dieser Situation allein dasteht. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass viele internationale Sportverbände längst deutlich differenziertere Altersklassen anbieten.
Leichtathletik: Bei den World Masters Athletics Championships werden Weltmeistertitel in Fünfjahresklassen vergeben. Neben M60 und W60 gibt es auch Klassen für 65-, 70-, 75- und 80-Jährige. Die Einteilung reicht sogar bis 100+.
Schwimmen: World Aquatics organisiert eigene Masters-Weltmeisterschaften. Auch hier werden ältere Athleten in gesonderten Altersklassen gewertet. Die genaue Einteilung hängt von der Disziplin ab.
Radsport: Bei den UCI Masters Cyclo-Cross World Championships gibt es Altersklassen wie 60–64, 65–69, 70–74 und 75–79 Jahre. Selbst für die Generation 80+ sind Titel vorgesehen.
Tischtennis: Die International Table Tennis Federation führt bei ihren World Masters Championships Altersklassen in Fünfjahresschritten, darunter 60–64, 65–69 und weitere Klassen bis 90+.
Rudern: Besonders interessant ist der Blick zum Rudersport. World Rowing bietet bei seiner internationalen Masters-Regatta eine Kategorie ab 60 Jahren und weitere Kategorien für noch ältere Teilnehmer. Die Altersstruktur reicht bei Mannschaftsbooten bis zu einem Durchschnittsalter von 89 Jahren.
Nicht alle diese Veranstaltungen haben denselben offiziellen Titelstatus. Die World Rowing Masters Regatta beispielsweise ist keine klassische Weltmeisterschaft mit einem Weltmeistertitel für jeden Sieger. Dennoch zeigt der Vergleich, wie selbstverständlich andere Sportarten ihre älteren Aktiven in die internationale Wettkampfstruktur einbinden.
Muss eine zusätzliche Altersklasse wirklich kompliziert sein?
Die Frage ist durchaus berechtigt. Eine Weltmeisterschaft ist organisatorisch aufwendig, zusätzliche Rennen kosten Zeit und Geld, und immer mehr Kategorien können den Zeitplan belasten.
Aber braucht es tatsächlich zusätzliche Rennen?
Gerade auf der Langstrecke wäre eine separate 60+-Wertung relativ einfach umzusetzen. Die Athleten könnten gemeinsam mit den Masters 50+ starten und anhand ihrer Zeiten in zwei getrennten Altersklassen gewertet werden.
Bei Sprint und Technical Race ist die Situation komplizierter, weil Qualifikationsläufe, Ausscheidungen und Finals über die Platzierungen entscheiden. Doch auch dafür ließen sich klare Regeln entwickeln.
Eine weitere Möglichkeit wäre eine Mindestteilnehmerzahl für die Vergabe eines eigenen Weltmeistertitels. So könnte sichergestellt werden, dass eine Kategorie auch tatsächlich sportlich besetzt ist.
Eine Generation, die den SUP-Sport mit aufgebaut hat
Es gibt noch einen weiteren Aspekt, den wir nicht vergessen sollten.
Viele der heutigen Masters-Athleten gehören zu jener Generation, die den modernen SUP-Rennsport über viele Jahre mitgetragen hat. Sie haben Veranstaltungen besucht, Material gekauft, Vereine unterstützt und den Sport in ihren Heimatländern bekannt gemacht.
Gerade in einer Zeit, in der die SUP-Rennszene um Aufmerksamkeit, Teilnehmerzahlen und finanzielle Unterstützung kämpft, sollte man sich fragen, ob es sinnvoll ist, diese engagierte Generation nicht stärker einzubinden.
Eine eigene Altersklasse wäre nicht nur eine zusätzliche Medaille. Sie könnte auch eine Motivation sein, noch viele Jahre aktiv am Wettkampfsport teilzunehmen.
Ist Paddle Worldwide am Zug?
Die Ergebnisse von Sabaudia liefern jedenfalls gute Argumente für eine Diskussion. Wenn allein bei den Männern 35 Athleten der Generation 60+ gemeldet sind, lässt sich schwer behaupten, es gebe kein Interesse.
Natürlich muss man auch die Teilnehmerzahlen bei den Frauen berücksichtigen und prüfen, wie sich die Altersstruktur international entwickelt. Eine neue Klasse sollte auf einer langfristig tragfähigen Grundlage stehen.
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