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Thomas Oschwalds SUP Abenteuer


 

 

Thomsa_Oschwald

1200km Unterwegs mit Thomas Oschwald

Gerade einmal drei Wochen brauchte Thomas Oschwald für den wohl längsten “Paddle Out“ der Geschichte. Fünfhundertmal drehte sich der Stundenzeiger seiner ochsundjunior, bis er nach über 1200 Kilometern seine erste Welle erreichte – und gerade einmal eine einzige Umdrehung für die Heimreise mit dem Flugzeug. Den ursprünglichen Plan von Bordeaux der Küste entlang nach Rotterdam zu paddeln, um schlussendlich den Rhein aufwärts heim zu kehren, musste Thomas oschwald nach zwei Wochen am Atlantik begraben. Eine Heimreise entlang der Küste in seiner geplanten Form ohne Begleitung war unmöglich. Das Beladen seines TAHOE SUP bei Wellengang, die starken Winde, das wechselnde Wetter und die Gezeiten bildeten für ihn eine unüberwindbare Mauer. Doch lassen wir ihn selber von seiner Reise und seinen Erlebnissen berichten:

Thomas_Oschwald_Schweizer_alpen

Start in den Schweizer Alpen

Während den drei Wochen an den Atlantik stand ich immer wieder vor Mauern, welche ich überklettern oder mit meiner Willenskraft einreissen konnte. Die letzte Mauer war aber so massiv, dass der einzige Weg um sie herum führte. Für mich keineswegs eine Niederlage, sondern die Lösung für eine Herausforderung, die ich in der geplanten Form nicht umsetzen konnte. Ich warte nicht im Schatten einer unüberwindbaren Mauer und hoffe auf ein Wunder, sondern suche mir einen anderen Weg.“ Antoine de Saint-Exupéry schrieb in seinem Buch Die Stadt in der Wüste: “Einzig die Richtung hat einen Sinn. Es kommt darauf an, dass du auf etwas zugehst, nicht dass du ankommst; denn man kommt nirgendwo an, ausser im Tode.” Nachdem ich den ersten Versuch wegen einer Magen-Darminfektion und einer Überlastung des Handgelenkes bereits nach wenigen Tagen abbrechen musste, startete ich zwei Wochen später mit einem etwas mulmigen Gefühl den zweiten Anlauf. Ich reise gerne mit einer stetigen Ungewissheit, die mich vorantreibt und mir ermöglicht mich unerwarteten Herausforderungen stellen zu können. Pfade, von denen ich im Vornherein weiss, dass sie mich problemlos zu meinem Ziel führen werden, sind nicht so mein Ding. Die Möglichkeit scheitern zu können, macht für mich das Abenteuer aus.

SUP-im-Nebel
Dank guten Fluss-Strömungen und relativ wenigen Wasserkraftwerken erreichte ich bereits nach drei Tagen die Stadt Lyon. Das umgehen der Wasserschleusen verlief mit Hilfe eines Kajak-Wagens relativ problemlos und die 50 Kilo Equipment liessen sich auch über längere Distanzen angenehm befördern.

SUP-down-the-riverDie Nächte verbrachte ich am Flussufer in einem kleinen Einerzelt von EXPED. Ich legte mich zur Ruhe, wenn ich müde wurde, ass wenn ich Hunger hatte und machte eine Pause, wenn ich mich müde fühlte. Alleine zu reisen hat seine Vorteile und ich kann es jedem empfehlen, sich mindestens einmal in seinem Leben alleine in die weite Welt zu wagen.
Von Lyon an profitierte ich vom Mistral-Wind, der teilweise mit bis zu 100 Kilometer pro Stunde Richtung Mittelmeer blies. Der starke Wind erzeugt bei langen geradlinigen Flussläufen kraftvolle Wellen, welche mit nur wenigen Paddelschlägen über längere Strecken trugen. Auf das Hochgefühl folgte dann aber auch schnell die Ernüchterung, als es mich bei einer Flusskurve gnadenlos gegen die Uferböschung drückte, und ich nur mit letzter Kraft ein kentern des Brettes verhindern konnte. Auch das Auswassern vor Wasserkraftwerken war nicht immer einfach, wenn sich die Rampe in unruhigem Gewässer befand. Bereits auf der ersten Etappe gab es Momente, da konnte ich keine Rücksicht mehr auf mein Equipment nehmen. Der Wind und das Wasser haben extreme Kräfte, welche ich nicht nur
auf der Rhône, sondern auch kurz vor dem Atlantik zu spüren bekam. Das Material musste die einwirkenden Kräfte aushalten können, ich musste darauf vertrauen können, dass ich nicht gleich absaufe, wenn ich mit meinem TAHOE SUP gegen einen Stein gedrückt wurde.

SUP_CampingDie Verpflegung auf der Rhône erwies sich als erstaunlich schwer. Die meisten Einkaufsläden, welche mein GPS anzeigte, lagen oft weit weg von meiner Route und die Suche in kleinen Dörfern war nur zu oft eine reine Zeitverschwendung. Hatte ich dann endlich einmal eines gefunden, deckte ich mich für die nächsten Tage mit Proviant ein und gönnte mir jedes Mal eine riesen Portion Eiscreme oder eine kalte Limonade. Kalte Speisen und Getränke waren in solchen Momenten einfach unbezahlbar und von grösstem Wert. Am Mittelmeer angekommen ging es via Canal du Rhône à Sète auf dem Canal du Midi weiter Richtung Toulouse. Von da an kämpfte ich bis zum Atlantik mit Gegenwinden, die mich an bestimmten Tagen an den Rand der Verzweiflung brachten. Auch wenn der Canal du Midi oft von Bäumen umgeben ist und so die Kraft des Windes gedämpft wird, zerrte es extrem an meiner körperliche Substanz. Glücklicherweise war die Verpflegung auf dem Kanal durch den Hausboot-Tourismus sehr einfach. Kurz vor Toulouse lagen die meisten Wasserschleusen und ich merkte immer mehr wie meine körperlichen Ressourcen immer mehr nachliessen. Da nützte auch der Ruhetag nicht viel und so war ich froh, als ich die Garonne erreichte und wieder etwas von der Flussströmung profitieren konnte. Die Tage auf der Garonne verliefen ähnlich wie auf der Rhône mit der grossen Ausnahme, dass ich andauernd gegen den Wind ankämpfen musste. Kurz vor Bordeaux begegnete ich dann der Mascaret und erhielt die Antwort auf meine Frage, was wohl passiert, wenn die Flut zurück in den Fluss drückt? Eine Gruppe von Surfern, welche ich auf dem Fluss antraf, erklärte mir, dass in wenigen Minuten die Flut mit einer ein Meter hohen Welle den Fluss hinauf rollen würde und dann volle vier Stunden die Strömung des Flusses umkehren würde. Das sichere Ufer war mir leider durch knietiefen Schlamm versperrt und so musste ich mich auf das Schlimmste gefasst machen. Die Welle liess sich in der Mitte glücklicherweise relativ einfach überwinden, doch die Strömung war enorm. Nach dreissig Minuten war ich nur wenige hundert Meter vorwärts gekommen und nahm das Angebot gerne an, mich mit einem Boot in den nächsten Hafen abschleppen zu lassen. Das Zeitfenster zum Paddel verkleinerte sich die letzten drei Tage dadurch auf acht Stunden, danach und zuvor war die Gegenströmung einfach zu gross. In der Flussmündung der Garonne geriet ich zweimal in einen Sturm und war kurz davor die Notruftaste auf meinem SPOT zu drücken. Wie schon auf der Rhône musste ich schmerzlich erkennen, dass ich nur mit letzten Kraftreserven gegen solche Naturgewalten ankämpfen konnte.

SUP-on-the-bridgeBereits bei der Planung hatte ich damit gerechnet, dass es in Küstennähe rau zu und her geht und ich nicht jeden Tag paddeln kann. Doch mit solchen Winden habe ich mitten im Sommer nicht gerechnet und so wurde die Ungewissheit immer mehr zur Gewissheit, dass ich vermutlich keine Chance haben werde, alleine und ohne Unterstützung, von Bordeaux nach Rotterdam zu paddeln. Am Atlantik angekommen blockierte der Sturm meine Weiterreise komplett und so beschloss ich auf dem Landweg nach Süden zu meinem „Home Surf Spot“ in Lacanau zu gehen. Denn Freiheit bedeutet für mich unter anderem auch, seine geplante Route zu verlassen und dennoch auf dem richtigen Weg
zu sein. Die 70 Kilometer auf diversen Velowegen verliefen bis Kilometer 50 ganz. Dann hatte mein Kanu-Wagen eine Reifenpanne, und ich musste mein SUP kurz vor Lacanau in einem Pinienwald zurücklassen. So ging es mit dem notwendigsten Gepäck weiter bis Lacanau, wo ich etwas abseits von der Stadt mein Nachlager aufschlug.
Zwei Wochen wartete ich auf bessere Wetterverhältnisse, vertrieb mir meine Zeit mit Wellenreiten, bis ich mir eingestehen musste, dass es nicht möglich ist, ohne Begleitung 2500 Kilometer entlang der rauen Atlantikküste zu paddeln. Der Entschluss mit dem Flieger nach Hause zu kehren, war für mich aber keineswegs eine Niederlage, sondern die Lösung, um auf meinem (Lebens-)Weg weiterschreiten zu können. Viele Ziele habe ich auf meiner Reise erreicht und viele weitere werden folgen. Denn Freiheit bedeutet für mich meine Ziele in meinem Weg und meinem Handeln zu sehen und nicht am Ende meiner Reise.

Radpanne

Radpanne vor Lacanau

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Hässliche Verschmutzung

River_SUP-mit-Thomas-Oschwald

Thomas alleine unterwegs

SUP-transport

Endstation Lacanau





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