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Von Graz nach Belgrad – Der SUP- Trip

Peter_Bartl_Graz_Belgrad

Irgendwie froh, auch irgendwie enttäuscht, sind wir wieder daheim angekommen in der Zivilisation, Abel ist wieder in Tschechien, wo er arbeitet, und ich sitze daheim in Gosdorf. Fast 2 Wochen dauerte unsere winterliche Paddel- Expedition von Graz nach Belgrad.

Das eigentliche Ziel, die Schwarzmeerküste, war schon nach der ersten Woche in weite Ferne gerückt. Die unglaublich langsame Reisegeschwindigkeit aufgrund eines historischen Niederwasser- Pegels und die ausgedehnten Hochs in Mitteleuropa, die uns stabilen Nebel im Minusbereich Tag und Nacht bescherten und komische Polizisten in Ungarn machten es uns nicht unbedingt leichter.
Das Material hatten wir gut verstaut auf den von Abel eigens gebauten 17 Fuß Boards, sie paddelten sich auch mit 60 Kilogramm Gepäck recht ordentlich, in den Verschneidungen vor allem nach Brückenpfeilern waren wir aber immer sehr achtsam und paddelten die schwierigeren Passagen meist im Knien, eine Schwimmweste war während der gesamten Reise fixer Bestandteil und wurde von uns beiden immer getragen, beim Paddeln hat sie überhaupt nicht gestört.

River_SUP_Tour
Nach einer Polizeistrafe in Barcs und dem offiziellen Verbot, in Ungarn auf der Drau weiter zu paddeln, entschieden wir uns nach 2 Nächten in Barcs, offiziell (sagen wirs mal so..) auf der kroatischen Seite unsere Reise fortzusetzen. 3 Tage später erreichten wir zu Mittag die kroatische Stadt Osiek und am Nachmittag endlich die Donau, die uns innerhalb weniger Stunden komplett in Nebel einhüllte. Minen fanden wir keine, wir haben sie auch nicht extra gesucht.
Am nächsten Tag ging es dann in dichtem Nebel an Vukovar vorbei, einer Donau-Hafenstadt mit mehreren großen und vor allem alten Schiffen. Und dieser Tag sollte auch zu einem besonderen werden, wenige Stunden nach Vukovar bekamen wir zum ersten Mal die Sonne zu Gesicht und die Motivation stieg um ein vielfaches, auch bei 2 bis 3 Beaufort Gegenwind. Die Donau ist in diesem Bereich serbisch kroatisches Grenzgebiet, bis sie bei Packa Palanka endgültig Kroatien verläßt. Eine wunderschöne Landschaft mit fast kitschigem Sonnenuntergang empfing uns an der serbischen Grenze, was wir weit und breit aber nicht fanden, waren offizielle serbische Grenzbeamten. So paddelten wir tags darauf weiter nach Novi Sad und hatten auch dort kein Glück mit offiziellem Einreisestempel, also weiterpaddeln und Schlafplatz suchen, mit schwindender Minenangst auch schon einigermaßen relaxt auf einer wunderschönen Sandbank.

Fluss_SUP_Peter_Bartl

Belgrad rückte immer näher und am vorletzten Tag wurden wir nach einem extrem anstrengenden Nebel- Paddle mit Sonnenschein und Rückenwind am Nachmittag belohnt. Etwa 25 Kilometer vor Belgrad wurde unser letztes Nachtlager eingerichtet, der Rückenwind zu einem eisigen Partner und mittlerweilezu einem Onshorewind von vorne in der Nacht.
Der nächste Morgen kam, und mit einem komischen Gefühl im Bauch paddelten wir Richtung Belgrad, wieder mal im Nebel. Das einzige, was wir recht gut erkennen konnten, waren die Müllberge am Ufer der Donau, die uns bis Zemun, einem Vorort von Belgrad begleiteten, wo unsere Reise zu Ende war. Von dort wurden wir abgeholt und unser Material bei einer österreichischen Baufirma zwischengelagert, ich kenne da jemanden, der uns in Belgrad geholfen hat. Am späteren Nachmittag kam auch mein Freund Wolfgang mit dem tschechischen Auto von Abel, um uns abzuholen. Also alles in Butter? Nicht ganz, wir wollten ja noch einen Einreisestempel haben, um bei der Ausreise keine Probleme zu bekommen, also fuhren wir zur Polizei, hatten sogar eine einheimische Dolmetscherin dabei, die uns zur Seite stand.

6 Stunden später, um 10.20 Uhr abends, hatten wir endlich unsere Ausreisepapiere beieinander und waren nach mehreren Stunden „Haft“ wieder in Freiheit. Zuvor wurden wir nach Besuch sämtlicher Polizeistationen Belgrads dem Schnellrichter vorgeführt und mussten jeweils 100 € Strafe zahlen. Abel wollte schon die 10 Tage Gefängnis nehmen, das konnte ich ihm aber ausreden. Und nach einer kurzen Nacht ging es am nächsten Tag dann ohne größere Probleme nach Österreich….und nächstes Jahr geht es dann am SUP- Board weiter von Belgrad ans Schwarze Meer, bei ein bisschen moderateren Temperaturen und einem höheren Wasserstand sowie offizieller Einreise aber wahrscheinlich inoffizieller Ausreise… schaun wir mal….



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