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Peter Bartl paddelt durch die Nacht

Damits bei der Kälte nicht langweilig wird hat Peter Bartl kurzerhand entschlossen durch die längste Nacht des Jahres zu Paddeln. Hier sein Bericht:

 „Stand Up Paddeln durch die längste Nacht im Jahr oder „From Dusk till Dawn“

Peter-Bartl-und-supportteam

In der Winterzeit habe ich meist etwas Luft, um manch verrückte Idee in die Tat umzusetzen. Meist sind diese Projekte auch recht kurzfristig und spontan, so auch dieses Mal.
Da ja alle im Sommer am Tag paddeln, wollte ich die Sache umdrehen und eine Winternacht durchpaddeln, was natürlich nur mit geeigneter Unterstützung von außen vernünftig umsetzbar ist.
Wolfgang Leeb und Günther Mossier waren sofort Feuer und Flamme für diese Idee, auch wenn sie erst ein paar Tage vorher davon erfahren hatten und versprachen mir, mich in jeder Hinsicht bei diesem Vorhaben zu unterstützen.
Mein Hauptziel war klar definiert, so sollte die komplette Nacht durchgepaddelt und zumindest mehr als 100 km dabei zurückgelegt werden, was auf einem sehr kleinen See mit hunderten Turns schon eine Herausforderung darstellt an Mann und Material.
Unsere geplante Location, der Sulmsee war leider zugefroren und so mussten wir auf den Röcksee ausweichen, mit einer Länge von etwa 460 Metern und einer Breite von knapp 120 Metern nicht gerade ein Ozean.

Set Up:
Wir trafen uns am frühen Samstag Nachmittag, dem 19. Dezember am Röcksee, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Das JP Zelt wurde mit einem Teppich ausgelegt, Felle auf Klappstühlen ausgebreitet, eine große Feuerschale wurde aufgebaut, um die eiskalte neblige Nacht für die Betreuer einigermaßen erträglich zu gestalten. Beachflags, Bojen und Fackeln durften natürlich auch nicht fehlen neben einem Elektroherd, einem Wasserkocher, Beleuchtung und Musik.
Das JP-Australia Flatwater Raceboard in 14 Fuß wurde mit GPS Systemen versehen, die leider aus mehreren Gründen nicht so funktionierten wie geplant, Ersatzbekleidung und Verpflegung war bereitgestellt.

Start
Peter-Bartl-NachtessenUm 16.15 Uhr startete ich mit der untergehenden Sonne in eines meiner härtesten Abenteuer.
Ein großer Vorteil des doch sehr kleinen Sees war, dass man trotz Nebel und schlechter Sicht definitiv nicht verloren gehen konnte, maximal zerschellen an den Stegen oder den Untiefen und nach vorne kopfüber ins eiskalte Wasser fallen war gut möglich, blieb mir aber diesmal Gott sei Dank erspart, obwohl es einige Male sehr knapp war.
Die ersten Runden wurden mit gutem Speed abgespult, die ersten Stunden konnte ich einen Schnitt knapp unter 9 km/h halten, was für mich normalerweise auch kein Problem darstellt. Als 11 City erprobter Paddler (5 Tagesrennen mit 40 bis 45 km Paddeletappen) bin ich dies gewohnt und habe auch meinen Körper meist relativ gut im Gespür, nur sollte dies an jenem besagten Tag anders ablaufen. Bereits ab der dritten Stunde lief es alles andere als gewohnt ab und ich musste mich ordentlich überwinden , um weiter zu paddeln. Mit der Temperatur von etwa 0 Grad Celsius hatte ich keine Probleme, wohl aber mit der extrem hohen Luftfeuchtigkeit, die meinen Atemwegen und meiner Lunge zusetzte. Anscheinend war ich doch zu schnell losgepaddelt.
Mein Plan ob meines nicht gewünschten Körperzustandes war nun, einfach mit reduzierter Geschwindigkeit und gleichmäßigem Paddeln in einen Flowzustand zu kommen, welcher sich aber während meiner Runden nie einstellen wollte, so war das Durchhalten für mich diesmal eine mentale Überanstrengung vom Anfang bis zum Ende, was ich in der Form noch nicht kannte.
Ich habe es alleine meinem „Support-Team“ zu verdanken, dass ich nicht gleich nach 3 Stunden abgebrochen und den sprichwörtlichen Hut draufgeschmissen habe. Dabei gingen die Motivationen von beiden Betreuern teils auch auseinander. Während Wolfgang neben mir mit dem Rad am Ufer mitfuhr und mich motivierte, gab mir Günther die Rundenzeiten durch. Vielleicht half mir auch Günthers Kommentar“ Wennst vor Mitternacht aufhörst, zahlst aber du des Zimmer“ und so spulte ich Runde für Runde ab bis zu meiner ersten Pause nach etwa 6 Stunden, wo mich eine vegane Gemüsesuppe mit nicht veganen Fritatten (Pfannkuchen) erwartete.
Meine Durchschnittsgeschwindigkeit sanknach und nach ab, konnte aber zumindest über 7,5 km/h gehalten werden. Am härtesten gestaltete sich die Beschleunigung des Boards nach den Turns, wo ich ja fast zum Stillstand kam und möglichst rasch meine Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen musste, und das so ca. 216 mal bei 58 Runden, die ich in etwa zurücklegte.
Peter-Bartl-morgenessenDass ich an diesem Tag keine 24 Stunden durchhalten werde, war mit relativ schnell klar, und selbst das Erreichen des Morgengrauens schien für mich mitten in der Nacht absolut unmöglich. Ich hatte eher Grauen vor dem Morgen als sonst was. Hier ist es wichtig, nicht an das gefühlte Unmögliche zu denken, sondern Runde für Runde abzuspulen, somit den Fokus immer auf den Moment sowie die direkte Zukunft zu richten.
Nach 116 Kilometern und 14 Stunden 10 Minuten hatte mein Unterfangen ein Ende, als die Dämmerung die Nacht zum Tag machte. Zufrieden machten wir noch ein paar Fotos und dann ging es für mich ab unter die Dusche, nachdem mir meine Betreuer aus meinen vielen Bekleidungsschichten geholfen hatten.
Ich hatte meinen inneren Schweinehund wieder mal in die Ränge verwiesen und trotzdem meinen Körper wahrgenommen. So kann ich mittlerweile recht gut entscheiden, wann es für meinen Körper wirklich gesundheitsschädlich wird, und wann im Gegensatz nur mein Schmerzkörper sich zu Wort meldet und sich beschwert.

Meine Ausrüstung:
Board: JP-Australia Race 14 Flatwater
Paddel: Hippostick AL 7.5 186 cm
Finne: Peter Bartl Race Carbon

Bekleidung: Dador Dry Pant mit 2 leggings darunter
1Paar Sportsocken, 2 Paar of Neosocken, 1 Paar Camaro Booties (size 46)
2 long sleeve shirts, 2 short sleeve shirts, 1 race gilet, Radjacke rain jacket
JP Hauben und caps
Speed Coach fürs timing

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