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SUP 11 City Tour mit Peter Bartl

Die SUP 11 City Tour, ursprünglich eine Eislaufveranstaltung, die seit 4 Jahren auch mit Stand Up Paddelboards im Sommer bestritten wird, geisterte schon seit knapp 2 Jahren in meinem Kopf herum..Einmal daran teilnehmen unter Leistungsdruck war etwas, das in mir einen unbändigen Reiz auslöste. So stand genau vor einem Jahr dann endgültig mein Entschluss fest, an dem Race quer durch Friesland im 2012er Jahr teilzunehmen, nachdem ich hörte, dass 2011 die harten Bedingungen mit Sturmböen und langen Strecken das ganze zur Tortour gemacht hatten und mich so etwas Extremes immer schon gereizt hatte. Viele gute Stand Up Paddler traten ja nur einmal und nie wieder an. Mit Geschichten von bösartigen Schwielen an den Händen, Muskelkrämpfen und Totalerschöpfung wurde nicht gespart in der Szene.

Peter_Bartl_gegen_Casper_Steinfath

Die Vorbereitung und Teilnahme auf die österreichischen Meisterschaften am Wochenende davor gaben mir nur wenig Chancen, nervös zu sein, und mit Hilfe einer organisatorischen Meisterleistung meiner Frau Gerhild, die Kinder, Hund und Katzen unterbrachte bei meinen Schwiegereltern und mit mir den Weg nach Holland als Betreuerin antrat, wurde mein Fokus trotz starker Müdigkeit klar auf mein Ziel gerichtet…möglichst schnell die 220 Kilometer zu absolvieren und mich an den Hintern der Toppaddler zu kleben.

Pünktlich am Dienstag um 9.00 Uhr erfolgte dann der Start zur vierten11 Städte Tour in Leeuwarden, einem netten Ort im Nordwesten von Holland. Ich hatte gehört, dass die Spitze ein hohes Tempo angibt in den ersten Minuten des Rennens, aber mit so etwas hatte ich nicht gerechnet. Bart De Zwart ergriff mit etwa 12 km/ h die Flucht nach vorne und setzte sein Ziel um, den ersten Tag solo zu bestreiten und die Verfolger in die Schranken zu weisen. Mit einem Sicherheitsabstand folgte Casper Steinfath, der Junge Däne an seinem 19ten Geburtstag dem Wahlhawaianer. Als Dritter hatte ich auf den ersten Kilometern immer etwa 15 bis 25 Sekunden Abstand zu Casper, konnte nach ca. 10 Kilometern zu Casper aufschließen, um vielleicht gemeinsam den führenden Bart de Zwart zu jagen. Doch Bart hielt seinen Vorsprung bis zum Ende nach etwa 45 Kilometern und konnte den ersten Tag mit etwa 4 Minuten Vorsprung ganz klar vor Casper beenden, der wiederum mich am recht unruhigen von 4 Beaufort aufgeschaukelten Slotermeer stehen ließ und davonpaddelte. Ich kam nach 5 Stunden und 27 Minuten als Dritter ins Ziel und direkt zur Massage, die ich auch dringend notwendig hatte.

bart-de-zwart-liegt-in-fuehrungAm zweiten Tag von Sloten nach Workum wird es etwas ruhiger losgehen”, dachte ich mir und das war dann auch so. Mit mittelmäßigem Speed ging es wiederum übers Slotermeer, das sich aber diesmal sehr ruhig präsentierte. Ricardo Haverschmied, ein starker Paddler aus den Niederlanden konnte unseren Speed auf den ersten Kilometern halten. Diesmal erhöhte ich das Tempo, um aus 4 Personen drei zu machen, und mein Plan ging auf, Ricardo konnte die Geschwindigkeit nicht mitgehen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Casper und Bart auch bald mal den Speed erhöhen werden, um mich abzuschütteln und war darauf gefasst. Wie eine südsteirische Zecke konnte ich mich dranklammern an meine Mitstreiter und die teilweise sehr hohe Geschwindigkeit mitgehen. Wenn sie mich ließen, leistete ich auch bereitwillig Führungsarbeit.
Kurz vor der 15 minütigen Mittagspause startete Bart einen Angriff und konnte mit 8 Sekunden Vorsprung nach der Pause weggehen, Casper und ich waren aber auf dem Posten und konnten die Lücke wieder schließen. In einem Dreierkonvoi ging es dann bis kurz vors Ziel, wo Bart im Finish die besten Reserven hatte, dicht gefolgt von Casper und von mir kamen wir in Workum an. Der Abstand der weiteren Teilnehmer lag meist zwischen 12 und 16 Minuten am Ende der Tagesetappen, so konnte ich mir langsam aber sicher einen Polster auf den dritten Platz schaffen. Durch den recht starken Gegenwind gab es am zweiten Tag keine Rekordzeit.

Ein Lob muss man der professionellen Organisation rund um das Team von Anne – Marie Reichmann aussprechen, es war das mit Abstand best organisierteste Race, an dem ich bis jetzt teilgenommen habe. Nahrung war reichlich vorhanden, wenn auch mir teilweise ein bisschen zu holländisch, und am dritten Tag sassen wir bereits um knapp nach 6 Uhr morgens beim Frühstück, um reichlich Kohlenhydrate aufnehmen zu können. An der Startlinie wusste ich schon, was mich erwartet, nämlich ein weiterer Start mit extrem hoher Anfangsgeschwindigkeit, weit über der 10 km/ h Marke. Nach etwa 5 minütigem Sprint und der üblichen Reihung, Bart als Erster, Casper als Zweiter und ich als Dritter schaltete Bart Gott sei Dank einen Gang zurück und ich wusste, dass ich es wieder mal fürs erste geschafft hatte. Die Einzigartigkeit dieses Rennens macht nicht die Länge aus sondern die Taktik und die oft extreme hohe Geschwindigkeit, die von den führenden Athleten über lange Zeit gegangen wird. Und wie zum Hohn passierte bei dieser Tour etwas, das ich absolut nicht wollte und auch nicht vorhatte. Das Tempo blieb extrem hoch, erhöhte sich am vierten und fünften Tag dann sogar. Für die Zuschauer muss es dazwischen schon langweilig gewesen sein, es bot sich meist dasselbe Bild. An der Spitze die drei üblichen, gefolgt von einem recht grossen Feld in Sicherheitsabstand.

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Tag Nummer 4 versprach gute Bedingungen und Rückenwind, was uns das Paddeln einerseits erleichterte, andererseits das Tempo noch mehr verschärft wurde, um die kleine österreichische Zecke loszuwerden. Und mein Ziel wurde mittlerweile immer klarer. Ich wollte bis kurz vor dem Ziel an der Führungsspitze dranbleiben, am vierten und auch am fünften und letzten Tag.

Am fünften Tag ging Bart wahrscheinlich mit dem höchsten Tempo aller Tage vom Start weg, Casper schwächelte ein bisschen und so versuchte ich das unmögliche, an Bart dranzubleiben, und hielt einen geschätzten Puls von über 170 über eine längere Zeit aufrecht, aber Bart gewann Meter für Meter Abstand. Zu meinem Glück hatte sich aber Casper wieder erholt, ich liess ihn an einer Innenkurve vorbei und konnte gemeinsam wieder die Lücke zu Bart schließen. Dies war meine persönliche Meisterleistung für diesen Tag und ich wusste, dass es wieder gemeinsam bis zumindest einen Kilometer vors Ziel geht, und dem war auch so. Die letzten 7 Kilometer der 11city Tour wurde nicht mehr gefackelt und wir gingen alle drei im für uns höchsten Tempo Richtung Ziel. Und wieder war am Ende alles klar, so gewann Bart auch den letzten Streckenabschnitt vor Casper und Bart.
Mit knapp 10 Minuten Rückstand auf Bart und etwa3 Minuten 50 Sekunden Rückstand auf Casper beendete ich meine erste Tortour bei 11steden an Dritter Stelle. Mein Vorsprung auf den viertplatzierten Ike Frans betrug eine gute Stunde.

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Und nächstes Jahr wieder?
Warum nicht…schauma mal , dann sehn wir schon

Liebe Grüsse
Peter Bartl

Fotos © Gerhild Bartl

Text © Peter Bartl

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