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Interview mit Michi Schweiger

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Michi Schweiger war ein Junger Windsurfer am Neufeldersee südlich von Wien. Sein Talent und Ambitionen für den Sport motivierten ihn als Surflehrer am Conca d’Oro am Gardasee tätig zu werden, wo er gleichzeitig Material für Mistral testete. Als dann Freestyle Windsurfen aufkam entwickelte er zusammen mit Robby Naish, Rick Naish und Harold Iggy Material bei Mistral. Gleichzeitig tourte er im PWA Worldcup wo er für ein paar Jahre unter den Top 10 war.

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Währenddessen begann seine Karriere bei Naish als Brandmanager wo er nun seit 10 Jahren arbeitet. Michi war mit Naish beim Aufkommen von SUP auf Maui hautnah dabei. Seit fünf Jahren kümmert er sich nun auch um das Brandmanagement im SUP Bereich von Naish.

Michi ist selber ein aktiver Racepaddler, er hat sich auf Open Ocean in der 14 Fuss Klasse spezialisiert, in welcher er des Öfteren in den Top 3 anzutreffen ist. In 2010 gewann er zusammen mit Jerry Bess die 14 Fuss Relay-Klasse im prestigeträchtigen Molokai to O’ahu Paddelrennen.

Wir hatten die Gelegenheit Michi im Naish Headquarter auf Maui zu treffen und uns mit ihm zu unterhalten.

Stand Up Magazin: Aloha Michi, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Stand Up Magazin genommen hast.

Michi Schweiger: Es ist mir eine Freude.

SUM: Wie hast Du selber das Aufkommen von SUP auf Maui erlebt?

MS: Hauptsächlich durch den Laird (Hamilton) und Dave (Kalama), ich habe gesehen wie die Jungs am North Shore paddelten und ein Freund von mir, Loch Eggers, der bei denen dabei ist, hat zu mir gesagt: „Komm mal mit, das musst Du unbedingt auch ausprobieren,“ so ging ich mit den Jungs paddeln. Das war vor ca. 6 Jahren. Wir haben dann gesagt, komm lass uns doch mal ein paar Prototypen machen. Kommerziell war da noch nichts vorhanden im Sport, deshalb haben wir einfach mal ausprobiert ganz ohne Stress, weil wir auch noch nicht ganz überzeugt waren ob das was fürs Geschäft wird.

Wir haben vorlaufend immer mehr Bretter gemacht und Robby (Naish) hat dann auch angefangen. Wir haben irgendwann mal gesagt lass uns „Productionboards“ machen. Das ist dann so gut gegangen, dass wir immer weiter gemacht haben, weil wir auch einfach Spass daran hatten neue Designs zu machen und neue Bretter aus zu probieren.

SUM: Wann war Deiner Meinung nach der Punkt des Kippens wo Ihr gesagt hat jetzt ist der Zeitpunkt wo etwas passieren muss?

MS: „Der Zeitpunkt des Kippens“, das kann man eigentlich so nicht sagen. Wir entschieden uns einfach mit einer „SUP Line“ in Produktion zu gehen. Wenn das dann mehrere Firmen durch Zufall gleichzeitig machen, dann ist das eigentlich der Kipp-Punkt, aber wenn man auf den Kipp-Punkt wartet ist man schon hinten dran.

SUM: Man muss also selber der Kipp-Punkt sein.

MS: Ja ganz genau. Es spielen immer verschiedene Faktoren, wenn es nur eine Marke macht, dann ist etwas auch schnell wieder weg vom Fenster, aber wenn es mehrere Marken machen, dann glauben die Konsumenten auch mehr an einen Trend.

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SUM: Welche Marken waren dann noch dabei, bei diesem „Kippen“?

MS: Starboard ist kurz nach uns eingestiegen, Surftech war schon drinnen und Laird mit seinen Boards über Surftech, das Timing war also gut. Wobei wir uns nicht nach den Anderen gerichtet haben, wir hatten einfach Spass und haben gesagt, wir bringen jetzt einfach mal ein Board raus.

SUM: Überrascht es Dich, dass es eigentlich keine reinen Surfmarken im Stand Up Paddel Markt gibt?

MS: Surftech würde ich eigentlich schon als reine Surfmarke bezeichnen und es gibt viele surfverwandte Marken in der SUP Branche. Wenn man sich den Surfmarkt anschaut, dann wird der eigentlich von Kleidermarken dirigiert. Weil wenn man an Surfen denkt dann kommt einem zuerst Quicksilver, Billabong, Rip Curl…usw. in den Sinn. Eigenglich siehst Du da das „Clothingbusiness“. Das Boardbusiness beim Wellenreiten wäre dann, Surftech eine der grössten, GSI auch eine der grössten, aber der Rest sind eigentlich kleinere Firmen die lokal Bretter machen, die gar nicht so international unterwegs sind. Denen ist es auch nicht so wichtig nach Australien zu gehen sondern die sind einfach stark in den USA. Insofern finde ich eigentlich schon, dass der Surfmarkt stark im Stand Up Paddling vertreten ist.

Nur; der Windsurfmarkt ist in den letzen Jahren immer schwieriger geworden durch die „Close Out Situation“ und wie sich die einzelnen Firmen entwickelt haben, vor allem in Europa. Sobald die gesehen haben, dass sich da was tun könnte sind die selber drauf gesprungen…, obwohl sie es selber gar nicht gemacht haben. Bei uns ist das daher gekommen weil wir den Sport selber ausgeübt haben und Spass daran hatten. Da ist bei mir persönlich ein Unterschied zu einer Marke die einfach sagt schau was da passiert, das machen wir jetzt auch. Aber die Technologie und das Knowhow sind natürlich auch bei den Windsurfmarken vorhanden. SUP passt natürlich auch sehr gut zum Windsurfen und Kiten weil es eine gute Alternative ist bei Flaute.

SUM: Kannst Du uns für jene die mit dem Windsurfmarkt nicht so vertraut sind den Begriff „Close out Situation“ erklären?

MS: Ein grossteil der Windsurf Industrie sitzt ja historisch im Deutschen Raum. Natürlich liegen dann viele der Lager auch in diesem Raum. Ueber die Jahre hinweg hat es sich dann ja schon als Tradition ergeben das Überproduktion hauptsächlich auch in Europa abgelagert wird. Der Preisverfall ist da gerade in Deutschland mächtig was langfristig dem Markt schadet. Da hat sich ein richtiger Rattenschwanz entwickelt – das alles jedes Jahr neu sein muss hilft da auch nicht – und schadet der wahren Entwicklung wo man ein neues Product rausbringt wenn es wirklich wert ist was neues zu bringen. Aber leider ist der Markt extrem danach orientiert das 2011, 2012 oder 2020 draufsteht. Was doch wirklich zählt ist ob das Product gut ist. Wenn was gut ist, dann kann es unserer Meinung nach auch gleich bleiben (bis man wirklich was besseres entwickelt hat) und muss nicht diesem Preisverfall unterliegen. Mit SUP versuchen wir diesem “close out” Trend nicht zu folgen was uns in Ländern wie Australien oder den USA auch gelingt.

SUM: Überrascht es Dich, dass im Deutschen-Europa das Interesse an SUP gerade unter den Kanuten so gross ist?

MS: Nein eigentlich gar nicht. Wir (Naish) haben uns schon von Anfang an gedacht, dass wenn der Sport gross wird, dann ist SUP-Surfen der kleinste Teil. Das Interessante an SUP ist, dass der Sport innert Minuten zu lernen ist. Du kannst fast jeden nehmen und auf ein Board stellen, ein Paddel in die Hand geben und sagen paddel so und die können fahren. Das passt extrem gut zu unserer Zeit, weil wenn man sich das Windsurfen oder Wellenreiten anschaut, da muss man viel Zeit investieren um das zu lernen. Snowboarden ist ähnlich, das ist auch eine Sportart die relativ schnell zu lernen ist und deshalb wurde es auch so erfolgreich. Stand Up Paddeln hat genau die gleiche Basis, Du kannst es sehr schnell lernen und kannst es sehr weit treiben, aber Du kannst auch nur zweimal im Jahr gehen und hast immer noch viel Spass damit.

Deswegen ist Flatwater Paddeln so populär. Wenn Du Dir die Rennen anschaust, da ja kann immer nur einer gewinnen und trotzdem gehen immer sehr viele Leute zu rennen, weil es einfach Spass macht mit anderen Leuten die Küste runter zu paddeln. Du kannst sehr ambitioniert Trainieren oder einfach nur auf einen SUP-Spaziergang gehen und dich während dem Paddeln mit deinem Kollegen unterhalten. Der Sport hat einfach sehr viele Komponenten die andere Sportarten nicht haben.

SUM: Du hast schon an einigen Paddelrennen teilgenommen und auch schon einiges gewonnen (M2O z.B.) Hast Du auch schon an einem Rennen in Europa teilgenommen oder Ambitionen dazu?

MS: (lacht) Ja, hätte ich schon gerne aber ich habe in Europa noch nie mitgemacht. Die Rennen hier in Hawaii oder Kalifornien, da komme ich einfacher dazu weil’s einfach viel näher ist. Ich habe mich auch mehr auf Open Ocean Rennen spezialisiert als auf Flachwasser.

SUM: Wie vergleichst Du Open Ocean (Downwinder) mit Flatwaterrennen?

MS: Open Ocean Rennen verlangen von Einem das Zusammenspiel von verschiedenen Paddel- und Renntechniken mit denen man fehlende Konditionen abdecken kann. Auf Flachwasser geht das nicht, da musst Du einfach beinhart trainieren und dann bist du gut. Bei Open Ocean Downwinder, wo du den Swell surfen kannst, brauchst Du die richtige Technik um Zeit gut zu machen.

Ich würde aber liebend gerne mal in Europa paddeln gehen, so ein Rennen wie in Hamburg muss einfach super sein in so einer Atmosphäre zu paddeln.

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SUM: Nach unseren Berechnungen fanden im Sommer 2010 in Deutschland allein mehr Paddelrennen statt als auf Hawaii. Überrascht Dich das?

MS: Nein, ich glaube das ist ein Trend der weiter so anhalten wird. Auf Hawaii ist es ja generell schwierig Events zu machen wegen all den Bewilligungen und so. Es wird aber dieses Jahr bestimmt mehr Rennen geben als letztes Jahr. Wenn man sich das US-Festland anschaut (Kalifornien z.B.) da findet jedes Wochenende ein Rennen statt und egal auf was für einen Level da gepaddelt wird, die Leute kommen in Strömen dahin und haben Spass, das ist in Europa dasselbe. Für Veranstalter ist SUP gerade zu ideal weil die nicht, wie beim Windsurfen oder Wellenreiten, auf bestimmte Wetterbedingungen angewiesen sind. Solange das Wasser nicht zugefroren ist kann der Event eigentlich starten.

SUM: Denkst Du SUP hat das potential zum Olympischen Sport und falls ja, was meinst Du muss im Sport noch passieren, dass dem so werden kann?

MS: Ich denke, dass es Olympisch werden wird. Was aber passieren muss ist, dass es mit den Ruderverbänden zusammen kommt. Ich kenne es nur vom Segeln her, da gibt es verschiedene Bootsklassen und die Bootsklassen sollen sich irgendwann einmal austauschen damit neue Sachen in die Olympischenspiele reinkommen. Ich kann mir vorstellen, dass es im Rudersport ähnlich ist und da würde Stand Up Paddeln ein Option bieten, damit eine neue Bootsklasse in die Disziplin reinkommen kann. So könnte ich mir das Vorstellen.

SUM: Als Eingliederung einer neuen Bootsklasse im Rudersport?

MS: Ja ich denke da würde es auch passen. Wahrscheinlich wäre das dann auch Flachwasser und somit ist es dann Rudern.

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SUM: Wenn wir den Gedanke dieser „noch rein hypothetische Entwicklung“ etwas weiter Spinnen, könnte man dann sagen, dass dem SUP Sport auch ein bisschen was abgeht, sprich der Hawaiianische Livestyle verloren geht?

MS: Ich glaube die Professionalität des Trainings der Rudderer kann dem Sport nur gut tun, weil es den Level nach oben bringt. Das Designs des Boards könnte dem Sport etwas schaden, weil wenn man sich diese Bretter anschaut mit dem eingesunkenen Deck. Wir (Naish) gehen extrem von dem Weg weil wir es eigentlich Surfboardmäßig halten wollen. Das ist das einzige was ich mir denken kann wo es eventuell einen negativen Einfluss auf den Sport hätte.

SUM: Noch kurz ein anderes Thema, Du hast im 2010 das Relay im Molokai nach O’ahu gewonnen. Diese Rennen wird nun auch in Europa bekannt und ist eigentlich das Königsrennen. Kannst Du uns einwenig von Deiner Erfahrung erzählen?

MS: Ja das stimmt, das M2O ist das Königsrennen, auch wenn jetzt z.B. SUP Oylmpisch werden würde. Weil das Meer auch einfach zum Stand Up Paddeln mit dazu gehört.

Bei mir hat es so angefangen, dass ich das Rennen für Jahre als „Pronepaddler“ (Anm. d. Red.: Paddelbrett wo man drauf liegt oder kniet.) mitgemacht habe im Relay zusammen mit Kai Lenny. Das war als der Kai 12 Jahre alt war und unbedingt am Rennen mit machen wollte und da hat sein Vater gesagt, warum gehst Du (Michi) nicht mit ihm. Wir haben dann Zusammen das Rennen für 3 oder 4 Jahre als „Pronepaddler“ zusammen gemacht und in 2009 dann zum ersten Mal Stand Up. In 2010 war dann Kai aber schon zu viel Unterwegs und konnte am Rennen nicht teilnehmen, so ist mein Freund Jerry Bess eingesprungen.

SUM: Wie ist der logistische Aufwand um am Rennen mit zu machen?

MS: Es ist schon etwas kostspielig da mit zumachen, weil man ein Boot braucht, nach Molokai reisen muss usw. Im Relay wo man zu Zweit ist kann man alles Teilen, so geht’s noch. Beim Boot alleine rechnet man schon $700 – $1000, dazu kommen die Übernachtungen auf Molokai und Oahu und die ganze Verpflegung. Aber die Erfahrung und das Gefühl diese Strecke abzupaddeln steht im keinem Vergleich zum logistischen Aufwand und Kosten.

SUM: Michi, vielen Dank für dieses Gespräch.

MS: War mir eine Freude.

Bilder: erhalten von  Michi Schweiger ©Darrell Wong

Text: Stand Up Magazin

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3 Enlightened Replies

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  1. Stefan says:

    Sehr interessanter Bericht, Michi kennt sich gut aus.

  2. Peter says:

    Liebe Grüße auch an dieser Stelle zum Michi nach Hawaii von Österreich.

    Zum Thema Olympia bin ich der Meinung, dass die SUPler auch bei den Kanuten ins Olympiaprogramm rutschen könnten.
    Rudern ist ja insofern klar reglementiert, dass die Verbindung vom Paddel zum Boot fest sein muss, bei Kanuten und Paddlern ist sie lose, bzw. gibt es keine Verbindung.

    Das Zeug dazu hat SUP auf alle Fälle, olympisch zu werden. Wir sind in Österreich auch dran, in die BSO (Bundessportorganisation) zu rutschen, dauert aber sicher noch, wäre mal ein erster Schritt Richtung Olympia.

  3. Olaf says:

    Paddeln gehört zum Kanusport. Daher “sag niemals ruder”. (das sind die, die immer rückwärts fahren und nicht sehen wohin.)

    Viele Grüße
    Olaf

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